"Der Wolf im Hund" .... oder .... "So geht es auch"

 

 

Ich hatte das große Glück mit dem Pudel aufzuwachsen und mit 19 Jahren war dann auch der richtige Zeitpunkt gekommen, wo ich meinen eigenen, treuen Begleiter haben konnte - Aris.
Für Aris wollte ich alles richtig machen. Viel Erfahrung hatte ich schon. Gelernt habe ich auch viel und zur Hundeschule sind wir auch.
Als Einzelhund war er unschlagbar und mein Ein und Alles.
Mit der Zeit gesellten sich weitere Lockenwölfe zu uns und 2009 begann die Zucht.
 
Hier und da bemerkte ich dann schon, dass es nicht immer "rund läuft". Mit mehr Training und klassischer Konditionierung kam ich nur - wenn überhaupt - Stückweise weiter.
Das Gelbe vom Ei war es nicht. Mein Rudel war immer klasse, treue Begleiter, gern gesehene Gäste, egal wo wir hingegangen sind. 
Auch Zuhause lief eigentlich alles rund. Das Rudel war gut. Die Zucht war von Anfang an eine Familienzucht und auch fremde Deckrüden konnte ich immer für den Flitterurlaub dazu holen.
Was mich gestört hat, war die allgemeine Unruhe und das ständige Kontrollieren der Hunde, ob sich etwas lohnt. Man muss da echt erfinderisch sein und die Frauchens und Herrchens, die über klassische Konditionierung arbeiten, wissen wohl was ich meine.
Die Hunde sind ständig in einer Erwartungshaltung ....
 
Ich habe viel versucht und das, was funktionierte, übernommen. Ich wusste zwar nicht, warum etwas funktionierte, aber dass es klappt und dass wir immer mehr Eins wurden, war kein Geheimnis.
Manchmal waren es nur kleine Stellschrauben, an denen ich gedreht habe und andere Male habe ich meinen ganzen Plan über Bord geworfen. 
Viele Veränderungen kammen immer nach der Aufzucht eines Wurfes. Die letzte große Änderung kam durch den K-Wurf 2023; der hat noch mal viel verändert und verbessert. Im Lernprozess gibt es keinen Stillstand! Vielleicht mal ne Pause, aber es geht immer weiter. Die Welpen sind noch 1000%ig natürlich, von ihnen kann man viel lernen, wenn man genau hinschaut und das dann mit zu den Großen nimmt.
 
Auch gab es über die Jahre sehr gute Tipps und Ratschläge von anderen Züchtern. Zum Teil einfach nur "weil es eben klappt", aber zum Teil auch mit dem Wissen, warum ich etwas nicht tun sollte oder was ich machen sollte, weil so bestimmtes Verhalten aktiviert wird oder vermieden wird.
Alles wurde mit einbezogen, am Rudel getestet und bei der Aufzucht berücksichtigt.
So entstand, über Jahre, mein Familienrudel. Nicht immer perfekt, aber glücklich und zusammen.
 
Durch Lilly - geboren 2009 - habe ich gelernt, wie Willensstark ein Hund sein kann. Wie genau, präzise, unfehlbar und wie schamlos sie einem die eigenen Fehler aufzeigt. Erst Jahre später habe ich gelernt, dass Lilly kein willensstarker Junghund war, sondern einfach nur ein Junghund. Es gibt um den 4. Lebensmonat eine mentale Entwicklung. Ich hatte echt keine Ahnung, was da vor sich geht und vor allem nicht, wie extrem diese Phase sein kann. Es war hart, ich habe viel gelernt von Lilly und sie ist eine der besten Lockenwölfe geworden, die ich bis jetzt hatte. Lilly ist auch meine Foundationhündin in der Großpudel- und Intervarietyzucht; fast alle gehen auf sie zurück. 
 
Durch mein kleines Hexenbiest Joy - geboren 2015 - kam dann noch eine sehr große Veränderung hinzu. 
Joy war ein sehr quirliger Welpe und immer zum Spielen bereit. Sie lernte sehr schnell und hatte - so dachte ich - Spaß am Tricktraining.
Wie sehr ich ihr schadete, bemerkte ich erst zu spät. 
Ihre innere Unruhe und das ständige Auffordern oder noch mehr wollen war für keinen von uns schön. 
Also beschloss ich, alles herunterzufahren. Sie, mein Rudel und mich zu erden und in Ruhe alles umzustrukturieren.
Joy´s Unruhe blieb, aber aus anderen Gründen. Sie hatte nur einen Wurf und wurde dann kastriert, so dass sie uneingeschränkt bei mir sein konnte. Mit dem Wissen von heute hätte ich anders entschieden und ihre wertvolle Linie weiter aufgebaut, aber das ist eine andere Geschichte.
 
Ich wollte, oder brauchte, einfach viel mehr Ruhe um mich und wenn klassische Konditionierung so einen Scheiß macht, kann es nicht gut sein. Das System passte einfach nicht zu mir und vor allem nicht  zu meinen Hunden.
Je mehr ich raus nahm, desto mehr fügten die Hunde hinzu. Mehr Ruhe. Mehr Selbstbewusstsein. Mehr Wir-Gefühl. Mehr Harmonie. Einfach mehr von allem; außer Stress, der wurde weniger.
 
Mit der Zeit wurde ich immer mehr zur Randfigur. Ich habe viel mehr dem Rudel vertraut und sie "machen lassen". Ich wurde zur letzten Instanze, die für Sicherheit und Ruhe sorgt. Und dort, wo ich mal nicht konnte, hat das Rudel übernommen. Ganz normal. Ganz einfach. Ganz sicher. Etwas was ich auch viel zu spät erkannt habe <3
Wenn die Hunde, von Natur aus, wissen wie es geht und alle dadurch in einem engen Familienband leben und alle respektiert werden, beschützt werden und ihren Platz haben, warum muss ich sie dann in ein System quetschen, wo sie weder rein wollen noch rein passen?
Wieso dürfen sie nicht einfach Hund sein? 
 
Dass ich mir mit meiner Einstellung und oftmals großer Klappe nicht immer Freunde mache, habe ich gelernt, aber etwas zu machen, nur weil es die anderen auch so machen, obwohl es gegen das große Ganze spricht, liegt einfach nicht in meiner Natur.
Ich bin sehr schnell meinen eigenen Weg gegangen und das ist auch gut so.
 
Was in England noch eine Selbstverständlichkeit war - learning by doing - wurde mir dann in Deutschland zum Verhängnis.
Der Drang für die Deutschen, das Wieso, Weshalb und Warum geklärt zu bekommen, ist - bzw. war - eine große Herausforderung für mich.
Wie soll ich etwas erklären, was ich durch ausprobieren gelernt habe. Ich weiß nicht, wieso es funktioniert, aber dass es funktioniert ist nicht von der Hand zu weisen.
Leider ist das, was der Mensch vor Augen hat, nicht immer das, was er glaubt. Erst recht nicht, wenn gefühlt alle anderen etwas anderes machen und man zu 98% gegen die ganzen Tierschutzgesetze wettert, die leider am Ziel vorbei schießen. Aber auch das ist eine andere Geschichte. Wenn mir mal wieder der Drang nach Schreiben kommt, werde ich bestimmt darauf zurückkommen.
 
Ende 2024 haben sich dann private Ereignisse überschlagen und ich suchte dringend nach einer Ablenkung.
Die Ablenkung war dann - zum Glück - rasch gefunden und mit ein paar Lesestunden waren fast alle Warums, Wiesos und Weshalbs geklärt.
Im Internet bin ich über "The Real Pack" gestolpert und konnte es kaum glauben, was ich da gelesen hatte.
Ich bin mit dem, was ich tue, nicht nur auf dem richtigen Weg, es gibt mittlerweile auch sogar wissenschaftliche Belege, die dies beweisen!
Nichts da, große Klappe und Einzelgänger! 
Einfach nur logisches Denken und hinschauen.
Ich bin nicht perfekt und ich habe noch viel zu lernen, aber ich bin nicht falsch.
Wenn ein System nicht funktioniert, muss man es hinterfragen und auch anpassen. 
Mit blindfolgen und nach Plappern kommt keiner voran.
 
Nachfolgend werde ich ein paar Texte von "The Real Pack" hier posten und euch dazu etwas von uns erzählen. 
Von Natur aus mag ich es nicht, mich rechtfertigen zu müssen, aber ich hoffe dennoch, dass ich eure Fragen so etwas beantworten und vielleicht den ein oder anderen zum Umdenken lenken kann.
Und in Zukunft wäre es doch mal ganz spaßig, wenn ihr euer falsches Verhalten rechtfertigt ;-) Sowohl in Haltung als auch in der Zucht. 
 
Hier gibt es erstmal mehr Infos zu The Real Pack:
- - - - - - - - - - - -
Willst Du mehr Wissen?
CHAT für alle
Kostenlos Mitglied werden
die Übungsanleitungen gibts jetzt auch im Paket ohne Abo

  

 

Die Texte sind in willkürlicher Reihenfolge!
 
 
Zwei sehr gute Texte:
 
1.

 

Der notwendige Mangel
Von Konrad Most bis Viviane Theby – und der Moment, in dem sich die Welt des Hundes auf den Kopf stellte
Als Konrad Most im Jahr 1910 seine „Dressur des Hundes“ schrieb, formulierte er einen Satz, der bis heute die mechanische Grundlage jeder Verstärkung beschreibt: Ein Hund darf nicht satt sein, wenn Futter als Verstärker wirken soll. Denn wenn der Hund satt ist, verliert das Futter seinen Wert.
Most benutzte das Wort „Mangel“. Moderne Trainer benutzen andere Worte. Sie sprechen von „Motivation“, von „Verstärkerwert“, von „Motivationslage“. Trainerinnen wie Viviane Theby definieren Verstärkung funktional: Eine Konsequenz verstärkt Verhalten nur dann, wenn dieses Verhalten in Zukunft häufiger gezeigt wird. Und ob das geschieht, hängt davon ab, ob der Verstärker für den Hund überhaupt einen Wert besitzt.
Most nennt es Mangel.
Theby nennt es Verstärkerwert.
Gemeint ist dasselbe.
Ohne Differenz kein Wert.
Ohne Wert keine Verstärkung.
Ohne Verstärkung kein verstärktes Verhalten.
Das ist keine Meinung. Das ist Mechanik.
Und eigentlich weiß das jeder. Wirklich jeder.
Erinnerst du dich noch an deinen ersten oder zweiten Besuch auf dem Hundeplatz?
Da stand er. Dieser eine Typ. Mit dieser Plastiktüte. Und in dieser Plastiktüte war – natürlich – das ganz normale Trockenfutter. Einfach aus der täglichen Ration abgezweigt. Er griff rein, holte ein einzelnes Körnchen heraus, hielt es seinem Hund vor die Nase und versuchte, ihn durch den Slalom zu führen. Zwischen anderen Hunden hindurch. Zwischen anderen Menschen hindurch. Konzentration. Fokus. Zusammenarbeit.
Der Hund schaute ihn an.
Dann schaute er weg.
Dann schaute er zu den anderen Hunden.
Dann schnüffelte er am Boden.
Dann lief er zwei Schritte zur Seite.
Nichts funktionierte.
Es war peinlich. Für ihn. Für den Hund. Für alle sichtbar.
Und insgeheim dachtest du genau das, was jeder dachte:
Das kann doch nicht funktionieren.
Natürlich kann es nicht funktionieren.
Dieses Futter war nichts Besonderes. Es war Alltag. Es war ständig verfügbar. Es reduzierte keine Differenz. Es hatte keinen Verstärkerwert.
Dann kam die Trainerin.
Sie schaute kurz, griff in ihre eigene Tasche und fragte ruhig:
„Hast du nichts Besseres dabei?“
Er schüttelte den Kopf.
Sie gab ihm kleine Würfel. Käse. Fleischwurst. Gekochte Lunge. Gebratene Leber.
Und sagte den Satz, den jeder Hundehalter irgendwann hört:
„Das darf er nicht ständig bekommen. Heb dir das für solche Momente auf.“
Er hielt den Käse vor die Nase seines Hundes.
Und plötzlich veränderte sich alles.
Der Hund richtete sich aus. Seine Aufmerksamkeit bündelte sich. Er folgte. Durch den Slalom. An den anderen Hunden vorbei. An den Menschen vorbei. Als wäre die Welt um ihn herum leiser geworden.
Nicht, weil er plötzlich „verstanden“ hatte.
Sondern weil jetzt eine Differenz existierte.
Weil das jetzt nicht Alltag war.
Weil es besonders war.
Und jeder verstand sofort, was hier passiert war.
Damit etwas verstärken kann, darf es nicht ständig verfügbar sein.
Damit etwas verstärken kann, muss es relativ knapp sein.
Damit etwas verstärken kann, muss ein relativer Mangel existieren.
Das wusste Konrad Most 1910.
Das beschreibt Viviane Theby heute mit anderen Worten.
Das weiß jede Trainerin auf jedem Hundeplatz.
Und dann passierte etwas Merkwürdiges.
Irgendwann kam jemand auf die Idee, nicht nur mit Futter zu verstärken.
Sondern mit sozialem Verhalten.
Mit Nähe.
Mit Aufmerksamkeit.
Mit Körperkontakt.
Mit Spiel.
Mit Zuwendung.
Mit all dem, was für den Hund eigentlich kein „Super-Leckerli“ sein sollte – sondern sein Grundzustand.
Und hier greift plötzlich dieselbe Mechanik.
Wenn soziale Zuwendung als Verstärker funktionieren soll, muss sie – mechanisch zwingend – denselben Regeln folgen wie die gekochte Lunge oder die gebratene Leber.
Sie darf nicht ständig verfügbar sein.
Sie darf nicht selbstverständlich sein.
Sie muss relativ knapp sein.
Denn wenn sie ständig verfügbar wäre, hätte sie keinen Verstärkerwert.
Das ist keine Meinung. Das ist dieselbe Mechanik, die Most beschrieben hat.
Und genau hier beginnt der Twist.
Denn jetzt wird etwas, das eigentlich die Basis des gesamten Nervensystems sein sollte, zur Belohnung.
Soziale Sicherheit ist für den Hund kein Luxus. Sie ist sein biologischer Referenzzustand. Sie ist der Zustand, in dem sein Nervensystem herunterfahren kann. In dem Regulation möglich ist. In dem Stabilität existiert.
Wenn dieser Zustand ständig verfügbar ist, ist der Hund reguliert.
Wenn dieser Zustand jedoch zum Verstärker wird, passiert mechanisch dasselbe wie beim Super-Leckerli:
Er wird besonders.
Er wird relativ knapp.
Er wird abhängig vom Verhalten.
Und damit dreht sich die Welt des Hundes auf den Kopf.
Das, was früher die Basis war, wird zum Ziel.
Das, was früher ständig verfügbar war, wird zur Ressource.
Das, was früher selbstverständlich war, wird zum Verstärker.
Der Hund lebt nicht mehr auf einem stabilen sozialen Fundament, aus dem heraus er situativ handelt.
Er beginnt, Verhalten zu produzieren, um dieses Fundament immer wieder neu zu erreichen.
Modern formuliert: Er lebt in Dauermotivation.
Biologisch formuliert: Er lebt in relativem Dauermangel.
Nicht, weil jemand das beabsichtigt hat.
Sondern weil Verstärkung nur über Differenz funktionieren kann.
Das wusste Konrad Most 1910.
Und es gilt bis heute.
- - - - - - - - - - -
Das hier ist kein Glaubenssystem, sondern nur Biologie – und Biologie funktioniert unabhängig davon, welchem Lager man sich zuordnet
Der Hund ist ein zustandsabhängig bewertendes Priorisierungssystem mit erinnerungsbasierter, mehrstufiger Regulation.
 
2.
POSITIVE VERSTÄRKUNG
das Label klebt heute überall auf Hundetraining. Hundeschulen werben damit, sie würden „ausschließlich positiv verstärkend“ trainieren – manche sagen sogar: erziehen. sie würden natürlich nie negativ verstärken, nie positiv bestrafen und schon gar nicht negativ bestrafen. klingt sauber. klingt gut. klingt nach moralischer Überlegenheit.
dabei ist „positiv“ nicht gut. es ist das Pluszeichen aus der Mathematik. hinzufügen. und „verstärken“ heißt nicht „schön“. es heißt: etwas wird wahrscheinlicher, weil eine angenehme Konsequenz folgt. du zeigst Verhalten, es passiert etwas Angenehmes, also wird dieses Verhalten künftig öfter gezeigt.
das ist die graue Theorie.
und genau deshalb ist es so genial als Marke. positiv klingt nach gut. verstärken klingt nach viel. und Belohnung klingt nach Geschenk. gutes Geschenk. ganz viel davon. wer soll da nein sagen?
nur dumm, dass es – technisch gesehen – bloß ein Viertel der Lerntheorie ist. und dass die meisten, die damit werben, nicht einmal merken, was sie da in den Hund einbauen.
denn jetzt kommt die Frage, die sich jeder stellen sollte, bevor er noch ein „nur positiv“-Logo auf seine Homepage klebt:
warum setzt sich dein Hund den Rest seines Lebens, nachdem er „positiv verstärkt fertig trainiert“ wurde?
er bekommt doch gar kein Leckerli mehr. kein Lob mehr. kein Spiel mehr als Belohnung. kein Kuscheln als Belohnung. das war nur im Training. da sollte er sich setzen – und dann kam das Leckerli. irgendwann hast du es ausgeschlichen. „braucht man ja nicht mehr“. und trotzdem setzt er sich bis ans Ende seiner Tage, sobald du dein Signal gibst.
warum?
weil er den Sinn verstanden hat?
dir zu gefallen?
weil er den sozialen Charakter erkannt hat?
nein.
und das ist der Punkt, an dem die Kommentatoren zuverlässig in die Falle laufen werden. sie werden dir erklären, dass das Verhalten „konditioniert“ ist, „verstärkt“ wurde, „automatisiert“ ist. und während sie das schreiben, haben sie es schon zugegeben: du hast kein Verstehen erzeugt. du hast keine soziale Einsicht erzeugt. du hast einen Mechanismus installiert, der auf einen Auslöser reagiert.
du hast einen Markt gebaut.
der Hund ist – ganz trocken formuliert – ein Zustandsregulierer. sein Idealzustand ist simpel: sicher, ruhig, satt, sozial stabil. wenn dieser Zustand da ist, muss er nicht handeln. dann kann er liegen bleiben. handeln muss er nur, wenn der Zustand beschädigt ist. wenn etwas fehlt. wenn etwas offen ist. wenn etwas dringend wird.
und genau hier sitzt die positive Verstärkung. nicht als Geschenk. sondern als Ware.
dein Leckerli tauchte plötzlich auf. ungeplant. überraschend. und im Hund sprang Biologie an:
Ressource sichern.
nicht philosophieren. nicht abwägen. nicht „Sinn verstehen“. sichern. bevor ein anderer es bekommt. bevor es weg ist. bevor die Gelegenheit weg ist. schnell. dringend. das ist Biologie.
du hast also ein knappes Gut geschaffen. du hast ein wertvolles, rares Produkt gebaut – etwas, das nicht jederzeit verfügbar ist, sondern nur als Konsequenz. du hast ein Preisschild dran geklebt: Popo auf den Boden. und dann rufst du:
Lieferung eingetroffen. limitierte Menge. wer schnell ist, kriegt sie. wer nicht schnell ist, kriegt sie nicht.
das ist der Kern. das ist das ganze Geheimnis.
und wenn du kein Futterautomat sein wolltest, hast du eben Lob genommen. soziale Zuwendung. Nähe. Bestätigung. wunderschöne Dinge – eigentlich Bestandteile des Idealzustands. Gratis. immer da. nicht selten. nur hast du daraus ebenfalls Ware gemacht. du hast sie aufgewertet, indem du sie nicht frei gibst, sondern als Konsequenz verteilst. du hast auch dort ein Preisschild dran geklebt:
soziale Zuwendung bekommst du zum Preis, dass du schnell den Popo auf den Boden packst. oder mich anschaust. oder dich „orientierst“. oder was auch immer dein Ritual ist.
und jetzt kommt der Trick, den viele nicht sehen:
du musst nicht mehr liefern, damit der Hund in diesen Zustand springt.
du musst nur noch ankündigen.
das Signal ist nicht „Sitz“. das Signal ist: Lieferung eingetroffen.
und Erwartung ist kein neutraler Zustand. Erwartung ist Aktivierung. Erwartung ist Dringlichkeit. Erwartung ist der Moment, in dem der Idealzustand bereits beschädigt ist – weil eine offene Schleife entstanden ist: Ware könnte da sein, Ware muss gesichert werden.
am Anfang lieferst du. Ware eingetroffen, Ware erhalten, Schleife zu, Zustand wieder stabil.
dann schleifst du aus.
du rufst weiter: Lieferung eingetroffen.
aber du lieferst nicht mehr. oder der Hund „kriegt sie nicht“, weil er zu langsam war, nicht intensiv genug, nicht perfekt genug, nicht im richtigen Winkel saß, nicht im richtigen Timing war – völlig egal. das Ergebnis ist dasselbe:
Lieferung angekündigt. Zustand beschädigt. Ware bleibt aus.
die Schleife bleibt offen.
und ein System mit offenen Schleifen wird dünnhäutig. reaktiv. suchend. getrieben. weil es ständig noch irgendwo „schließen“ muss.
da hinten läuft ein Hund. wenn man dahin läuft, könnte man spielen, könnte man vielleicht soziale Zuwendung sichern, könnte man vielleicht den Zustand reparieren. da ist ein Radfahrer – wenn man rennt, vielleicht repariert das den Zustand. da ist ein Kinderwagen – vielleicht anspringen. da ist ein Laternenmast – irgendwas tun, irgendwas, das diese Spannung entlädt, irgendwas, das die offene Schleife schließt.
Hunde tun Hundedinge. nicht, weil sie böse sind. nicht, weil sie dominant sind. nicht, weil sie „nicht ausgelastet“ sind. sondern weil ihr System einen Zustand reparieren muss, der nicht mehr zuverlässig zurück in den Idealbereich findet.
und jetzt mach den Fehler, den heute fast alle machen:
zieh das aus dem Hundeplatz in den Alltag.
nutze positive Verstärkung nicht für ein paar Tricks, nicht für ein bisschen Training im abgegrenzten Rahmen, sondern als Allheilmittel. Fuß. Orientierung. Leinenführigkeit. Hundebegegnungen. Umleiten. Abrufen. Ruhe. alles.
du machst damit die zentralen Bausteine des Idealzustands zu Ware: Nähe, Sicherheit, Zuwendung, Spiel, Futter. du verknappst sie, damit sie wirken. du wertest sie auf, damit sie „verstärken“. du klebst überall Preisschilder dran.
und dann rufst du den ganzen Tag:
Lieferung eingetroffen.
Lieferung eingetroffen.
Lieferung eingetroffen.
und lieferst nicht. weil du ja „ausschleichen“ willst. weil du ja „ohne Futter“ funktionieren willst. weil du ja „nicht abhängig machen“ willst.
du bist dann nicht mehr der Sozialpartner, der den Idealzustand stabil hält, der beim Reparieren hilft, der Sicherheit, Ruhe und Orientierung herstellt.
du bist der Händler, der ständig den Mangel triggert. Dessen pure Anwesenheit ausreicht, um Lieferung eingetroffen zu rufen und den Zustand aus dem Ideal zu treiben.
und ja, das ist Kapitalismus pur: Bedarf erzeugen, Ware ankündigen, Ware verknappen, Verhalten auslösen. der Hund muss nicht verstehen. er muss nur reagieren. schnell. intensiv. aufgeregt. bevor es ausverkauft ist.
und dann wundert man sich, warum heute kein Hund mehr an einem Hund vorbeigehen kann. warum andere Hunde so stressig riechen. so stressig aussehen. so getrieben. so unruhig. warum überall „Reaktivität“ ist, „Leinenaggression“, „Impulskontrolle“, „Management“. warum ganze Industrien an Spezialfutter, Zusätzen, Diagnostik und Dauerkonzepten verdienen – während im Hintergrund der Grundmechanismus weiterläuft:
Lieferung eingetroffen.
Ware könnte da sein.
Zustand kaputt.
Handeln.
wer anderer Meinung ist, kann mir gern erklären – ohne Ausreden –, warum ein Hund nach dem Ausschleichen der Belohnung ein Leben lang sofort sitzt, sich sofort hinlegt, sich sofort dreht, sofort irgendwas „sinnfreies“ tut – schnell, intensiv, aufgeregt –, als ginge es um sein Leben.
wenn das „Verstehen“ ist, dann haben wir sehr unterschiedliche Definitionen von Verstehen.
wenn das „Erziehung“ ist, dann habt ihr aus Sozialverhalten eine Ware gemacht.
Lieferung eingetroffen!
- - - - - - - - - - -
Das hier ist kein Glaubenssystem, sondern nur Biologie – und Biologie funktioniert unabhängig davon, welchem Lager man sich zuordnet
Der Hund ist ein zustandsabhängig bewertendes Priorisierungssystem mit erinnerungsbasierter, mehrstufiger Regulation.
- - - - - - - - - - -
 
 
Meine Antwort:
Oben wird sehr gut erklärt, was da bei klassischer Konditionierung passiert und warum es gar nicht so gut ist.
Was bedeutet das für mein Rudel?
Bis auf drei Situationen, sind wir komplett von Leckerlies weg :-D Nein, es schont nicht den Geldbeutel, denn sie werden nach wie vor verwöhnt; nur müssen sie dafür nichts tun und die Leckerlies sind eher Kausnacks.
Was war von Anfang an dabei und somit richtig?
Ich.
Ich bin immer 110%. Die Hunde dürfen frei wählen, ob sie in meiner Nähe sein wollen oder Abstand brauchen.
Sie folgen mir oft auf Schritt und Tritt oder liegen dekorativ im Weg herum.
Sie schlafen und ruhen dort wo ICH bin und nicht dort wo ihr vermeintliches Bett steht.
Sie quetschen sich mit mir in die kleine Küche beim Abwaschen, liegen alle dicht gedrängt unter dem Esszimmertisch oder pendeln mit mir zwischen Waschmaschine und Trockner hin und her.
Wenn ich wirklich mal kurz alleine sein muss, muss ich die Tür zu machen, so dass mir keiner folgen kann. 
Sie werden weder zurückgewiesen noch auf ihren Platz geschickt. 
Sie sind einfach da. Bei mir, mit mir, wir sind zusammen.
Ich bin keine Belohnung für gutes Verhalten. 
Ausnahmen gibt es während der Läufigkeiten, aber da werden andere Wir-Zeiten hervorgehoben und durch den hormonellen Umschwung scheint es dem Rudel nicht zu schaden.
 
*********************************************************************
 
 
Dieser Teil ist auch mega gut und so einfach.
Es ist erstaunlich, wie wenige Vokabeln man braucht, um einen Hund sicher zu führen.
Ich muss ehrlich sagen, dass dieser Teil für mich neu war. 
Ich habe ihn dann bei unserem M-Wurf angewandt und bin einfach hin und weg. 
Obwohl ich bei diesem Wurf noch mit viel klassischer Konditionierung angefangen habe, war der Wechsel ein Kinderspiel und die Kleinen waren sofort offen dafür und haben es verstanden; oder ich habe sie verstanden.
 
Man kann den Hund im Grunde sehr einfach erklären – und zwar direkt aus der Praxis heraus.
- - -
Vorsicht! Du kannst damit gleich nach dem Lesen loslegen
- - -
Wenn du stehenbleibst, dich dabei von deinem Hund beobachten lässt und in diesem Moment „Stopp“ oder „Halt“ sagst, ohne irgendetwas von deinem Hund zu verlangen, dann bist du außerhalb der Lerntheorie.
Keine Konsequenz.
Kein Verstärken.
Keine klassische Konditionierung.
Dasselbe gilt, wenn du nach links abbiegst und dabei „links“ sagst.
Oder nach rechts gehst und „rechts“.
Wenn du losläufst und „los“ sagst.
Oder dich umdrehst, gehst, in die Hocke gehst – und dabei schlicht „komm“ oder „hier“ sagst.
Ohne Erwartung.
Ohne Ziel.
Ohne Forderung.
In all diesen Momenten vereinbarst du mit dem Hund ein Vokabular für Bedeutung.
Du willst nichts von ihm.
Du löst nichts aus.
Du drohst mit keiner Konsequenz und lobst auch keine aus.
Diese Wörter bekommen einfach nur Bedeutung.
Das funktioniert mit „schau“ oder „guck mal“.
Das funktioniert mit Orten wie „Garten“ oder „Küche“.
Und genauso mit Objekten wie „Knochen“ oder „Katze“.
Und plötzlich kannst du sagen:
„Garten – Knochen – Bringen - Küche.“
Und der Hund kann das leisten.
Nicht, weil er programmiert wurde, sondern weil diese Worte Erinnerungen aktivieren – alles, was für ihn im weitesten Sinn damit zu tun hatte. Episodisch, emotional, vernetzt
Im Grunde weißt du das schon und du tust es auch schon. Du benennst Orte, du benennst Gegenstände fragst den Hund, ob er Wasser braucht, ob er Gassi gehen möchte, ob er die Leine gesehen hat und ob er schon mal zum Auto laufen will. Nur irgendwer hat Dir vielleicht erzählt, dass man das so nicht macht ...
Wenn du mit deinem Hund aber auf diese Weise kommunizierst, reagierst du nicht mehr mit Konsequenz auf (sogenanntes Rasse)verhalten.
Du bestätigst es nicht mehr.
Du trainierst es nicht mehr.
Und genau deshalb verliert es nach und nach an Bedeutung.
Was übrig bleibt, ist kein dressierter Hund – sondern ein verstehender Hund.
Die Frage, die dann immer kommt, ist:
Warum sollte der Hund überhaupt etwas tun, wenn keine Konsequenz dahintersteht?
Ganz einfach:
Weil er ein soziales Tier ist.
In dem Moment, in dem du den Mund aufmachst, signalisierst du Regulationsbedarf.
Du zeigst deinem Sozialpartner: Im gemeinsamen sozialen System stimmt gerade etwas nicht ganz – es braucht eine Anpassung.
Der Hund schaut dann nicht nach einem Kommando.
Er schaut in seine Erinnerungen.
Und sucht die minimal aufwändige, maximal effiziente Lösung für diesen Moment.
Was Menschen daran wahnsinnig macht:
Sie wissen vorher nicht, ob dabei ein Sitz, ein Platz, ein Stehenbleiben herauskommt. Aber es wird passen.
Und was sie zusätzlich irritiert:
Sie dürfen – ja, sie müssen – diese Vokabeln wiederholen.
Denn solange du sprichst, arbeitet das Regulationssystem.
Wenn du still wirst, ist der Hund auf dem richtigen Weg. Und deswegen bist du dann still, wenn es so aussieht als würde es gleich passen.
Nein, natürlich diskutierst du nicht draußen mitten im Stress und Problem. Das macht man vorher zu Hause, damit man draußen nicht diskutieren muss, weil der Hund ja schon weiß, wie er es selber lösen kann und deshalb nicht mehr kopflos in Aktionismus verfällt.
Hunde funktionieren spiegelverkehrt.
Der Wolf reagiert auf das Ausdrucksverhalten seines Welpen.
Zeigt der Welpe nach links, antwortet die Mutter mit Ausdruck nach rechts.
Der Welpe probiert es erneut – „links fühlt sich doch gut an“.
Die Mutter bleibt ruhig bei „rechts“.
Der Welpe schläft darüber.
Und diese Verständigung generalisiert sich auf alle ähnlichen Situationen.
Nicht die Verhaltensprogramme generalisieren – die optimieren sich nur in sich selbst.
Automatisch generalisiert wird auf der Bedeutungs- und Erinnerungsebene.
Wenn du mit solchen selbstregulierenden Vokabeln mit deinem Hund sprichst, dann konditioniert er sich im Inneren selbst.
Er nutzt Lerntheorie dort, wo sie hingehört – in seinem eigenen System.
Wir Menschen sollten davon besser die Finger lassen, weil wir weder die Nebenwirkungen noch die Langzeitfolgen vollständig überblicken.
Das Ergebnis ist messbar:
Die Erregung sinkt.
Der Hund muss nicht mehr auf jeden Reiz aufspringen.
Er hat ein breites Repertoire moderater Lösungen.
Er kann innehalten.
Er kann bewerten.
Er kann verstehen - hündisch verstehen.
Und parallel verändert sich seine Biochemie.
Stresssysteme fahren herunter.
Regulation wird stabil.
Das Ganze wird nachhaltig.
Die Rasseprogramme und die Instinktprogramme werden nicht mehr oder nicht mehr so stark aktiviert, weil sie unter dem Schwellenwert sind.
So funktioniert der Hund.
Praxiserprobt.
Im Rudel erprobt.
Von tausenden Hundehaltern erprobt.
Man packt eine Erinnerung in den Hund oder nimmt eine hündische Erinnerung, verknüpft sie mit einer neutralen Vokabel –
und spricht dann mit ihm im Sinne von:
„Erinnere dich an.“
Als Antwort auf entstehendes Verhalten.
Oder auf bereits laufendes Verhalten.
Und plötzlich kann man sich das endlose Wiederholen, das Herumprogrammieren von Verhalten und das Kämpfen mit Rasse- oder Triebzuschreibungen sparen –
weil all das später ohnehin vom Bewertungs- und Hemmungssystem des Hundes wieder auseinandergenommen würde.
Lerntheorie passiert im Inneren vom Hund.
PS
Ist das schon alles?
Nein!
- - - - - - - - - - -
Das hier ist kein Glaubenssystem, sondern nur Biologie – und Biologie funktioniert unabhängig davon, welchem Lager man sich zuordnet.
- - - - - - - - - - -

 

 

 **********************************************************************
 
 
 
Hier ist auch ein gaaaaaanz ganz wichtiger Punk!!!
Etwas, was von Anfang an quasi schon dabei war. Was für mich und mein Rudel ganz normal ist und gefühlt für alle anderen unvorstellbar ist!
Schlafplatzmangel !!!! Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt!
Es wird doch tatsächlich davon ausgegangen, dass jeder Hund seinen eigenen Schlafplatz benötigt.
Ich weiß wirklich nicht, wer sich sowas ausdenkt und wie ich es meinem Rudel beibringen soll, denn verstehen tun die Hunde es nicht.
Für mich klingt dies eher nach Vermenschlichung: Ein Mensch = ein Bett. Ein Hund = ein Bett..... Okay, ich lass das einfach mal so stehen.
Fakt ist, dass Gruppenkuscheln hier ganz hoch im Kurs ist. Die Hunde stapeln sich eher, als dass sie alleine schlafen wollen. 
Ich hoffe sehr, dass ich niemanden damit jetzt flausen in den Kopf setze, aber danach müsste ich dann in jedem Raum, für jeden Hund einen eigenen Schlafplatz haben, denn FREIWILLIG würden sich die Lockenwölfe nicht zurückziehen nur um so alleine liegen zu können. Keiner will alleine schlafen.
Selbst jetzt, wo ich mit Laptop am Esszimmertisch sitze und schreibe, sieht man mehr Hunde als Teppich zu meinen Füßen.
Hunde brauchen kein Bett, sie brauchen ein Zuhause. 
Und ja, zur Zeit ruht mein Organismus <3

 
 
Wenn viele Hunde eins werden
Wie Synchronität entsteht – und warum sie Konflikte überflüssig macht
Wer viele Hunde zusammenführt, noch dazu Wolfhunde, alle intakt, im ähnlichen Alter, mit vergleichbarer körperlicher Präsenz, erwartet normalerweise eines: Ressourcenmanagement, Trennungen, Rangfragen, Spannungen. Genau das Gegenteil ist möglich. Nicht durch Kontrolle, nicht durch Regeln, nicht durch Dominanz – sondern durch Synchronität.
Synchronität meint hier nicht Gleichschritt oder Gehorsam. Sie meint einen gemeinsamen physiologischen Regelbereich, in dem alle Beteiligten ihre Dringlichkeit so weit senken, dass Verhalten nicht mehr gegeneinander arbeitet, sondern miteinander. In diesem Zustand braucht es keine getrennten Liegeplätze, keine getrennten Futterstellen, keine Verwaltung von Nähe oder Distanz. Die Gruppe funktioniert wie ein großes Individuum mit sehr vielen Pfoten.
Der Weg dorthin ist kein Trick und kein schneller Hack. Er ist logisch, reproduzierbar – und er beginnt nicht in der Gruppe.
Am Anfang steht immer die 1:1-Synchronisierung. Jeder Hund muss die Fähigkeit entwickeln, sich mit einem Gegenüber in einen maximal regulierten Zustand zu bringen. Das ist kein Training, sondern Beziehungsarbeit. Der Hund lernt dabei nicht „was er tun soll“, sondern wie sich Regulation anfühlt. Erst wenn Dringlichkeit wirklich fällt – bis in einen klar parasympathischen Bereich hinein – entsteht ein innerer Referenzzustand, der später wieder abrufbar ist. Ohne diesen Referenzzustand bleibt jede Gruppeninteraktion ein Glücksspiel.
Erst wenn jeder einzelne Hund diese Erfahrung stabil gemacht hat, entsteht etwas Entscheidendes: eine gemeinsame Basis. Nicht, weil alle gleich sind, sondern weil alle denselben Regelbereich kennen. In diesem Moment kann man Hunde zusammenführen, ohne dass sie sich erst aneinander abarbeiten müssen. Sie treffen sich nicht im Konflikt, sondern im bereits bekannten Zustand.
Die Gruppe synchronisiert sich dann nicht über Macht, sondern über Rückkopplung. Tempo, Raum, Blick, Körperwinkel, Nähe und Distanz werden ständig feinjustiert. Steigt die Aktivierung eines Individuums zu stark, wird sie von den anderen nicht gespiegelt, sondern abgefedert. Die Bremse wird kurz gelöst, geprüft – und sofort wieder eingefangen, wenn Asynchronität entsteht. Genau hier liegt der Kern: Synchronität ist kein Dauer-„Runterfahren“, sondern ein gemeinsames Regeln.
Deshalb funktionieren solche Gruppen ohne Ressourcenstreit. Futter verliert seinen Status als Konfliktobjekt, weil Dringlichkeit fehlt. Liegeplätze sind kein Besitz, sondern temporäre Funktionen. Nähe ist nicht etwas, das verteidigt werden muss, sondern etwas, das fließt. Was von außen oft wie „Rangordnung“ aussieht, ist in Wahrheit Funktionsverteilung: Wer gerade ruhig ist, reguliert. Wer gerade mehr Energie hat, bewegt. Rollen wechseln situativ, ohne dass daraus Status wird.
Ein entscheidender Punkt dabei: Man kann diese Synchronität nicht erzwingen, und man kann sie nicht bei fremden Hunden erwarten, die weder Fähigkeit noch Beziehung haben. Ko-Regulation ist eine Kompetenz. Sie entsteht nur, wenn Hunde gelernt haben, Dringlichkeit zu senken, ohne sich zu verlieren. Fehlt diese Kompetenz, eskaliert Nähe zwangsläufig.
Ist sie jedoch vorhanden, wird die Gruppe erstaunlich schnell selbsttragend. Synchronität stabilisiert sich biochemisch. Wiederholte ruhige Zustände senken die Grundlast im Stresssystem. Sicherheit wird zur Norm, nicht zur Ausnahme. Welpen, die in ein solches soziales Feld hineingeboren werden, übernehmen diesen Zustand nicht über Regeln, sondern über Entwicklung. Sie wachsen in eine Gruppe hinein, die bereits reguliert ist – und tragen diese Qualität weiter.
Das Ergebnis wirkt für Außenstehende oft unrealistisch: Wolfhunde, intakt, körperlich ebenbürtig, teilen Futter, teilen Raum, teilen Ruhe. Kein Dominanzgehabe, kein Ressourcenmanagement, kein permanentes Eingreifen. Nicht, weil es „keine Hierarchie“ gäbe, sondern weil Hierarchie nicht gebraucht wird, wenn Dringlichkeit fehlt.
Am Ende ist es erstaunlich schlicht:
Synchronisiere zuerst den Einzelnen.
Dann entsteht die Gruppe fast von selbst.
Und irgendwann läuft sie – wie ein Organismus, der weiß, wann er sich bewegt und wann er ruht.
Wenn man das einmal erlebt hat, versteht man, warum Konflikte in gut regulierten Gruppen nicht gelöst werden müssen. Sie entstehen gar nicht erst.
- - -
Zwei Studien aus 2024 passen gut als wissenschaftlicher Rahmen für das, was ich als „Synchronität“ in meiner Gruppe beschreibe – einmal auf Ebene des autonomen Nervensystems, einmal auf Ebene zentraler Aktivität.
Koskela et al. (Scientific Reports, 24.10.2024) haben Hund-Mensch-Dyaden parallel über Herzfrequenzvariabilität (HRV) und Aktivität gemessen und zeigen eine physiologische Ko-Modulation: Zustände von Erregung/Entspannung laufen zwischen Hund und Mensch messbar gekoppelt, je nach Interaktionsaufgabe unterschiedlich stark.
Ren et al. (Advanced Science, 2024) berichten zusätzlich eine interbrain coupling zwischen Mensch und Hund: Bei gegenseitigem Blickkontakt und Streicheln synchronisieren sich Muster neuronaler Aktivität innerhalb der Dyade – als Hinweis darauf, dass soziale Kopplung nicht nur „verhaltensseitig“, sondern auch neurophysiologisch nachvollziehbar ist.
- - - - - - - - - - -
Das hier ist kein Glaubenssystem, sondern nur Biologie – und Biologie funktioniert unabhängig davon, welchem Lager man sich zuordnet.
- - - - - - - - - - -
 
 
****************************************************************************
 
Auch die Pubertät ist bei meiner Rasselbande kein Problem und das war es noch nie.
Bis dahin ist immer alles geklärt und schon in der ersten Läufigkeit wird Neues hinzugefügt, um sicherzustellen, dass die Mädels nicht auf Durchzug stellen.
Auch lernen die Rüden früh, sich zu benehmen. Zum einen von älteren Rüden, aber auch von den läufigen Hündinnen, die sehr streng sind und rüpelhaftes Verhalten nicht dulden. 
Aber in beiden Fällen habe ich das letzte Wort und gebe den Takt an. 
Die Verhaltensänderungen, wie wir sie von uns Menschen während der Pubertät kennen, gibt es beim Hund nicht.
Wer also denkt, dass der Hund Probleme macht, wegen der Hormone, sollte vielleicht mal am großen Ganzen arbeiten.

 
„In der Pubertät hat mein Hund alles vergessen.“
Nein.
Pubertät ist kein Gedächtnisverlust.
Sie ist ein Umbau der inneren Prioritäten.
Der Hund bewertet seine Umwelt neu:
Was ist wichtig?
Was lohnt sich?
Wem folge ich?
Was ignoriere ich?
Und genau hier trennt sich, wie ein Verhalten entstanden ist.
Es gibt Verhalten, das der Hund sich selbst aufgebaut hat.
Nicht als Kommando, sondern als Lösung.
Er erinnert nicht „was ich tun soll“, sondern wie er aus einem Zustand wieder herauskommt.
Diese Erinnerungen sind an Gefühle gekoppelt: Sicherheit, Ruhe, Orientierung, soziale Klarheit.
Wenn eine ähnliche Situation auftaucht, wird nicht nachgedacht – die Lösung ploppt auf.
Das bleibt in der Pubertät erstaunlich stabil.
Nicht weil der Hund brav ist.
Sondern weil dieses Verhalten zu seinem inneren System gehört.
Und dann gibt es Verhalten, das stark von außen geformt wurde.
Sauber aufgebaut, oft perfekt trainiert.
Signal → Ausführen → Belohnung oder Korrektur.
Solange die Welt gleich bleibt, funktioniert das hervorragend.
In der Pubertät bleibt diese Welt aber nicht gleich.
Motivation verschiebt sich.
Dringlichkeit verschiebt sich.
Der Hund ist innerlich nicht mehr im selben „Trainingsmodus“.
Dann startet das Verhalten nicht mehr zuverlässig.
Nicht, weil es weg ist.
Sondern weil die Bedingungen, unter denen es entstanden ist, nicht mehr passen.
Darum wirkt Pubertät so gnadenlos ehrlich.
Sie zeigt nicht, was der Hund "auswendig gelernt" hat,
sondern was sich selbst tragen kann.
Wenn der Hund gelernt hat, sich über Erinnerungen zu regulieren,
bleibt Verhalten abrufbar.
Wenn der Mensch lange Regulationssystem gespielt hat und damit keine selbstregulierenden Erinnerungen im Hund hinterlassen hat,
muss er in der Pubertät einfach nochmal von vorne beginnen.
Nicht, weil der Hund schwierig ist.
Sondern weil er jetzt anfängt, erwachsen zu werden und das nutzt, was er tatsächlich gelernt hat.
Denn Hunde lernen Lösungen und nicht Verhalten.
πŸ‘‰ Die Langversion gibt es auf Patreon.
 
 
 
 
**********************************************************************
 
 
 
Das ist ein Punkt, denn ich meinen Welpenkäufern gerne auf die Stirn kleben würde!
Es ist egal ob der Welpe 10 Wochen alt ist wenn er bei euch einzieht oder 10 Monate! 
Zum Abspeichern braucht es nur eine Situation.
Egal ob gut oder schlecht.
Ob positiv oder negativ.
Ein einziges reicht! Ihr müsst also von Anfang an wissen, was ihr wollt oder was ihr nicht wollt und so euer gemeinsames Leben aufbauen. 
Bringt dem Welpen keinen Scheiß bei, nur um ihn später zu korrigieren.
Sorgt dafür, dass er gute Erinnerungen hat. Es muss sich gut und richtig anfühlen, dann klappt das schon :-)
 
 
Der Hund hat ein verdammt gutes Gedächtnis.
Er merkt sich alles sofort.
Er vergisst nicht.
Er braucht noch nicht einmal eine Wiederholung.
Er kann sich allerdings nur an eine Sorte Ereignisse erinnern.
Ein Hund erinnert sich an Momente,
in denen Streit in der Familie beendet wurde.
Oder gar nicht erst entstanden ist.
Oder danach wieder Ruhe war.
Das sind seine Erinnerungen.
Andere hat er nicht und andere kann er nicht.
Er erinnert sich nicht daran,
wie er an der Leine gezogen hat.
Nicht daran,
wie man an der Leine zieht.
Nicht daran,
wie man aus dem Auto springt.
Nicht daran,
wie man einen Napf trägt.
Nicht daran,
wie man eine Tür öffnet.
Und auch nicht daran,
dass du geschimpft hast.
Verhalten läuft beim Hund einfach los!
Ohne Plan.
Ohne Warum.
Ohne Willen.
Ein Reiz taucht auf
und das Verhalten,
das gerade am meisten verspricht,
ist sofort da.
Wenn es keine Erinnerungen gäbe,
würde dein Hund den ganzen Tag
ein Verhalten nach dem anderen raushauen.
Immer das nächste,
das sich vielleicht lohnt.
Wie ein Automat auf der Suche
nach dem größten Leckerli.
Die Erinnerungen im Hund
sind das Einzige,
was dieses Dauerfeuer stoppt.
Jetzt überleg dir kurz,
was du tun müsstest,
damit dein Hund weniger von dem tut,
was dir auf den Wecker geht.
Tipp:
Ach, das lassen wir besser doch ...
- - - - - - - - - - -
 
 
 
*********************************************************************
 
 
 
Vielleicht ein guter Text um zu verstehen, warum der Hund gar nicht so viel machen muss. Er wird immer 150% geben, solange es der 2-Beiner will da es sich so gut anfühlt, aber nicht weil er es bracht, sondern weil es der 2-Beiner so will.
Versucht es einfach mal mit mehr Ruhe. Mehr zusammen. Weniger aufpushen und weniger verlangen. Wenn sich eine Situation nämlich gut anfühlt, kommt die Ruhe von ganz alleine. 
 
 
Der Hund lebt im Hier und Jetzt.
Er hat kein Vorstellungsvermögen wie wir.
Er kann gedanklich nicht frei in die Vergangenheit reisen und Dinge noch einmal erleben.
Er kann sich nicht vorstellen, wie er in der nächsten Sekunde über eine Wiese laufen wird.
Er kann sich nicht verschiedene Varianten dieser Wiesenüberquerung vorstellen, um eine davon auszuwählen und dann Realität werden zu lassen.
Der Hund kann keinen Plan machen.
Wenn du deinen Hund schimpfst, kann er deshalb nicht gedanklich ein paar Sekunden zurückgehen zu dem Zeitpunkt seiner Entscheidung und sich noch einmal vorstellen, ob er es – mit deinem Schimpfen im Hinterkopf – wieder tun würde.
Er hat keine Möglichkeit zur Einsicht.
Der Hund kann sich selbst nicht vorstellen.
Er kann gedanklich nicht über sich schweben und sich beim Handeln beobachten.
Er kann sich nicht vorstellen, was er getan hat.
Und nein: Du beobachtest deinen Hund nicht beim Planen.
Nein: Es sieht nicht so aus, als würde er planen.
Diese Forscher, die das überprüft haben, sind nicht dämlich.
Diese Doktoren und Professoren müssen nicht „mal bei dir vorbeikommen“, um einen echten planenden Hund zu sehen.
Die sind wirklich nicht doof.
Mir ist klar, wie fatal diese Vorstellung wirkt.
Denn wenn der Hund kein menschliches Kopfkino hat, dann wäre es ja vollkommen witzlos, ihn auszuschimpfen – wenn er sich gar nicht vorstellen kann, worum es dabei geht.
Dann wäre es ja genauso witzlos, ihn zu loben – wenn er sich gar nicht vorstellen kann, wofür.
Genau das ist das Thema.
Man kann das immer wieder erklären.
Man kann es vorführen.
Man kann es belegen.
Und zwei Sekunden später heißt es trotzdem:
„Ja, aber vielleicht kann er doch ein bisschen … man weiß ja nie … nicht alle Hunde sind gleich.“
Dann machen wir es anders.
Stell dir vor, du wärst ein Hund.
Du kommst in deinen Flur.
Und in dem Moment hast du totale Amnesie.
Du weißt nicht, wie du in den Flur gekommen bist.
Du weißt nicht, was du im Flur willst.
Du schaust dich um.
Du siehst den Lichtschalter.
Die Garderobe.
Die Jacke an der Garderobe.
Die Haustür.
Du hast ein Gefühl, den Lichtschalter drücken zu wollen – aber du weißt nicht warum.
Du hast ein Gefühl, die Jacke nehmen zu wollen – aber du weißt nicht warum.
Du hast ein Gefühl, die Tür öffnen zu wollen – aber du weißt nicht warum.
Das Einzige, woran du dich „erinnern“ kannst, sind die Dinge, die deine Familie mit dir und diesen Objekten zusammen erlebt hat.
Nicht als Wissen.
Nicht als Geschichte.
Sondern als Gefühl.
Mit dem Lichtschalter gab es Dinge, die sich für die Familie nicht gut angefühlt haben.
Mit der Haustür gab es Dinge, die sich für die Familie gut angefühlt haben.
Also fühlt sich das Öffnen der Haustür jetzt besser an.
Nicht, weil du weißt, warum.
Sondern weil es sich so anfühlt.
Du tust es einfach.
Du trittst hinaus.
Und sofort: totale Amnesie.
Du weißt nicht, wie du hierher gekommen bist.
Du weißt nicht, was du hier willst.
Du weißt nicht, was du wolltest.
Und jetzt erklär mir, wie du diesem Hund mit Schimpfen erklären willst,
dass er den Lichtschalter nicht drücken soll.
Er tritt in den nächsten Raum.
Er weiß nicht mehr, dass es im Raum davor einen Lichtschalter gab.
Er weiß nicht, dass es eine Regel gibt.
Er weiß nicht, dass etwas „verboten“ ist.
Wenn er irgendwann wieder im Flur steht und diesen Lichtschalter sieht,
kann er sich nicht vorstellen, ihn zu drücken
und dabei zu berücksichtigen,
dass du irgendwann einmal entschieden hast,
dass das verboten ist.
Denn er kann sich nichts vorstellen.
Er hat keine Negativliste.
Kein „das darf ich nicht“.
Kein inneres Gesetzbuch.
Er hat nur ein Gefühl:
Fühlt sich das hier gut an – oder nicht?
Dieses Gefühl ist einfach da.
Er weiß nicht warum.
Dazu kommen Erinnerungen – aber keine beliebigen.
Keine frei abrufbaren.
Keine erklärbaren.
Nur sozial relevante Erinnerungen,
gebunden an das, was er jetzt sieht.
Objekte im Raum.
Orte.
Situationen.
Familie.
Wenn du schimpfst und der Hund schaut beim nächsten Mal auf den Lichtschalter,
fühlt sich dieser Lichtschalter schlechter an.
Nicht, weil er weiß, dass man ihn nicht drücken darf.
Sondern weil der Lichtschalter jetzt ein ungutes Gefühl trägt.
Wenn du lobst oder belohnst,
schaut der Hund beim nächsten Mal auf den Lichtschalter
und plötzlich taucht auf,
was man mit Lichtschaltern machen kann.
Es fühlt sich gut an.
Also möchte er es tun.
Nicht, weil er eine Belohnung erwartet.
Nicht, weil er sich etwas ausmalt.
Sondern weil ihm beim Anschauen nur diese eine Option einfällt.
Der Hund lebt nicht mit einer Negativliste.
Er lebt mit einer Positivliste.
Er stellt sich nicht vor,
was er tun könnte und was besser nicht.
Er bekommt im Moment des Anschauens genau das geliefert,
was sich jemals als sozial sinnvoll angefühlt hat.
Mehr steht ihm nicht zur Verfügung.
Und jetzt erklär mir bitte –
wenn du es besser weißt,
wenn du der gesamten Forschung widersprichst,
weil du gerade eben in dieser Sekunde deinen Hund angeschaut hast –
wie du einem solchen Lebewesen,
mit einem solchen Gedächtnis,
erklären willst,
was es nicht tun sollte
und was es nicht darf.
- - - - - - - - - - -
 
 
 
************************************************************************
 
 
 
 
 
Fürs erste ist das hier der letzte Text. 
Aber er ist genau so wichtig und richtig wie der erste Text.
 
Viele wollen eine kurze Anleitung für den Hund. Hier ist sie – so kurz wie möglich:
Der Hund hat zwei Ebenen.
Unten: ein Handlungsautomat (reizgetriebenes Handlungssystem / Lerntheorie). Der springt an, sobald irgendwo Erwartung hängt – egal ob positiv (Futter, Lob, Spiel) oder negativ (Druck, Drohung, Schimpfen).
Oben: ein Regulationssystem (Bewertungs- und Hemmungssystem). Das reagiert nicht auf „Mach mal…“, sondern auf ruhige, passende Ansprache – und es funktioniert erst richtig, wenn es mit Regulationserinnerungen gefüllt ist. Die baust du zu Hause in Ruhe und nimmst sie als Abrufhinweis mit nach draußen.
Wenn dich Verhalten nervt: Schraub nicht am Automaten herum – sag dem Regulationssystem, dass es den Automaten runterfahren soll.
Oder nicht?
Daraus ergibt sich die Praxis fast von selbst:
---
PRAXIS – damit der Handlungsautomat nicht anspringt (NICHT tun):
❌ Nicht belohnen
❌ Nicht loben
❌ Nicht kuscheln oder spielen als "Gegenleistung"
❌ Nicht locken
❌ Keine hohe Stimme
❌ Kein Schnalzen
❌ Kein Zutexten
❌ Kein Schnipsen
❌ Kein Zischen
❌ Kein Klopfen
❌ Keine zappligen Gesten
❌ Nicht zum Affen machen
❌ Nicht knuffen / schubsen / pieksen
❌ Kein „NEIN“ (weil es alles und nichts bedeutet)
❌ Klappe halten (nicht kommentieren, nicht erklären)
❌ Keine Emotionen in die Stimme bringen
❌ Nicht laut werden
❌ Nicht wütend werden
❌ Nicht schimpfen
❌ Keine Freude vortäuschen
❌ Kein „Mach-erst-dann-kriegst-du“ (kein Leckerli/Lob als Erwartungshaken)
❌ Nicht starren / nicht frontal bedrängen (für viele Hunde = Druck)
❌ Nicht an der Leine ziehen (Leine ist nur Notfall-Sicherung: wenn du zu langsam warst → Leine geben, damit der Hund nicht reinballert)
---
PRAXIS – damit Regulation anspringt (TUN):
βœ… leise sprechen, flüstern (dein Hund hört dich flüsternd noch in 100 m Entfernung)
βœ… 1–2 silbige Worte (kurz & eindeutig)
βœ… Ruhige Körpersprache, langsam, wenig
βœ… Zu Hause „Ruhe-Settings“ spielen, die zuverlässig in Entspannung enden (Regulationserinnerungen)
βœ… Diese Ruhe-Erinnerungen mit einem kurzen Wort koppeln (Abrufhinweis)
βœ… Zu Hause NICHT den Automaten füttern mit:
„Geh weg“, „Platz da“, „Sitz bevor…“, „Sitz vor der Küche“, „Runter vom Sofa“ usw.
βœ… Zu Hause stattdessen Prinzipien fürs Regulationssystem:
„Komm“, „Folge“, „Halt“
βœ… Prinzipien sauber festlegen (ohne Locken/Blocken/Loben/Belohnen):
„Halt“ = anhalten • „Los“ = loslaufen • „Links“ • „Rechts“ • „Hopp“. Einfach das Wort sagen beim Machen.
βœ… Draußen: Abrufhinweis früh geben (bevor der Automat hochfährt) → dann wieder still werden (Regulation unterstützen)
βœ… Sobald der Hund „ansetzt“ auf deine Regulationshilfe hin ein Verhalten zu zeigen, was sich einigermaßen gut anfühlen wird: Still sein
---
FAZIT:
Nicht am Verhalten herumdrehen.
Regulation einschalten.
Kurz „Erinner dich an …“ (dein Wort) – dann sofort wieder ruhig sein.
Je weniger Erwartung du in den Raum hängst, desto weniger muss der Automat laufen.
Und ja: „Aber ohne Lob weiß er doch nicht, was richtig war?!“
Doch – wenn du Regulation aufbaust, merkt er es an der inneren Lage: Ruhe, Sicherheit, Anschluss, Lösung. Nicht an deinem Theater.
Bei Hunden ist immer das Glas voll, bis du den Mund aufmachst.
Wollen wir wetten? Du machst es einfach nicht.
Und genau deshalb bleibt alles wie es ist.

 

 

 

*********************************************************************
 

 

Nur weil wir nicht der Norm entsprechen, nicht ins Systhem passen und/oder anders sind, heißt es nicht, das wir falsch sind.
Mitlerweile habe ich noch mehr Hundehalter UND Trainer gefunden, die auf diese Art mit ihren Hunden leben bzw. arbeiten.
Wir sind ganz klar die Mindeheit, aber hoffedlich nicht mehr alzu lange. 
Die lezten Jahre haben doch mehr als deutlich gezeigt, dass etwas mächtig schief läuft.
Die Anzahl an verhaltensauffälligen Hunden steigt stätig an. Hundehalter sind überfordert. Hundeschulen spriesen nur so aus dem Boden. Die Tierheime sitzen voll mit Problemhunde.
Aber es wird sich zwanghaft am Stohhalm geklammert. Frei nach dem Motto: Das habe ich schon immer so gemacht, das ändere ich nicht.
Natürlich ist das ein großer Wandel und der Mensch mag keine Veränderungen. Er ist ein Gewohnheitstier. Aber wenn alles nur schlimmer wird, verschärfte Gesetze keine Lienderung bringen und die Hunde weiter misverstanden werden, gibt es doch nichts zu verlieren! Warum es also nicht mal versuchen. Warum nicht zurück zum Ursprung. Warum kam es überhaput zur Verbindung zwischen Wolf und Mensch? Ganz gewiss nicht wegen der Leckerles ;-)
Es bedeutet nicht, das wir alle falsch lagen. Mit dem Wissen was wir hatten, haben wir das Bestmöglichste versucht und das ist auch gut und richtig so. Aber irgendwann kommt man doch an den Punkt an, wo man sein Wissensschatz erweitert und spätestens dann sollte man sich ändern. Nicht weil man vorher zu blöde war, sondern weil man es jetzt besser weiß.
Wenn wir den Hund als Hund leben lassen und seine Sprache lernen, können wir eigentlich nicht versagen. 
Wer prinzipiel gegen die Hundesprache ist, sollte vielleicht auch mal darüber nachdenken, ob der Hund wirklich an seine Seite passt. Vielleicht tut es ein Golfisch auch?
 
Auch ich habe noch viel zu lernen aber nun weiß ich ja, wo ich die passenden Antworten und Hilfestellungen her bekomme. 
Ich freue mich sehr auf die Zukunft und auf das was da kommt. 
Auf die weiteren Aufzuchten. Die Abenteuer. Auf die Welt erklären und auf neue Freundschaften. 
 
Meine Familie besteht aus ein paar ganz wichtigen Meschen und meinen Hunden. 
Das bedeutet aber nicht, das ich meine Hunde vermenschliche und das wiederum bedeutet nicht, dass ich sie nicht liebe. Ich respektiere sie für das was sie sind und auch das ist gut so.
Im gegenzug respektieren mich die Hunde auch. Nicht weil sie müssen. Nicht weil ich es ihnen so beigebracht habe, sondern weil auch ich Teil ihrer Familie bin und in der Familie passt man aufeinander auf. 

 
 
Datenschutzerklärung