Ich und meine Welpen

 

Ich bin zwar nun schon seit ein paar Tagen auf der Arbeit am texten (schreiben im Kopf), aber so richtig wills am Laptop noch nicht funktionieren und auch finde ich es schwierig den Übergang von Autismus zu den Hunden, meiner Zucht und Hunden im allgemeinen zu finden.

Die von euch, die mich kennen und auch jene, die meine Zucht schon seit langem beobachten, werden bestimmt gemerkt haben, dass ich super gerne vom Puzzle im Zusammenhang mit meinen Welpen rede. 
Man zeigt den Kleinen so viel wie möglich, bringt ihnen noch mehr bei, wächst mit ihnen zusammen und dann kommt die Zeit, wo all diese kleinen Puzzleteile zusammengesetzt werden können, zu einem wunderbaren kleinen Charakter, der bereit ist, die Welt zu erobern. Ich liebe diese Zeit und sie zeigt mir jedes Mal aufs Neue, was da entstehen kann, wenn man den Kleinen Zeit gibt. Das ganze passiert schon fast von alleine und ist nicht festgelegt. Mal setzen wir alles recht früh zusammen und mal ist es besser noch zu warten - der Welpe weiß wann er soweit ist.
In den letzten Monaten habe ich an meinem ganz persönlichen Puzzle gearbeitet und auch dieses Mal hat sich alles gefügt. Alles passt perfekt zusammen und auch wenn es schwer war, bin ich froh, mein letztes Puzzleteil gefunden zu haben.

Eigentlich sollte jedem Welpenkäufer ja klar sein, dass so sein Welpe mit einer Werksvoreinstellung kommt, daher ist es wichtig einen Züchter zu finden, der zu einem passt, der Welpe ist, im Idealfall, auf den Züchter geprägt und wird die Eigenschaften seines Züchters weiterhin mögen.
Meine Welpen kommen nicht mit einer Werksvoreinstellung, sondern als Special Edition!
Das war von Anfang an so und wird auch immer so bleiben. Ich hatte halt nur den falschen Blickwinkel auf mich und meine Rasselbande.

Im nachfolgenden Text möchte ich versuchen, mich und uns zu erklären. Wieso mache ich etwas? Wieso funktioniert es? Wieso macht das kein anderer Züchter? Wie prägt das die Welpen? Wo sind die Schnittstellen von Autismus, mir, Hund und Zucht? 
Wenn der Text chaotisch wirkt, bitte ich, dies zu entschuldigen. In meinem Kopf sieht es derzeit auch nicht besser aus.

Der Autismusteil ist nur auf mich bezogen, so wie ich es empfinde. Bei anderen Leuten mit Autismus könnte es wiederum anders sein. Auch Autismus hat zwar, so finde ich, eine eigene Psychologie mit einem eigenen Leitfaden, genau wie es dies bei neurotypischen Leuten gibt, aber das Spektrum ist halt groß und bietet viel Raum für Unterschiede.
Ich habe einfach das Glück, dass es bei mir und meinen Hunden so haargenau passt; von Natur aus streben wir nach demselben. 
Wir sind im Einklang und das schon seit ich denken kann.
Da meine Oma und meine Tante schon Pudel gezüchtet haben, bin ich mit recht vielen Hunden aufgewachsen und es gab immer wieder diesen einen perfekten Welpe in den Würfen. Wir ticken einfach gleich. 
Es passierte nicht oft, aber die Bindung zu diesen Wollknäulen war deutlich inniger als zu den anderen, wenn man bedenkt, dass ich zu der Zeit nur eine Randfigur war, es keine genetische Selektion auf diesen bestimmten Charakter gab und auch die Prägung auf mich fehlte, ist es naheliegend, dass es nur ab und an so gut passte aber es war von Anfang an da. 

Als ich damals meine Lilly ausgesucht hatte, war auch dieses gewisse Etwas da. Ich durfte damals in den Welpenauslauf, um mir einen Hund auszusuchen. Im Gewusel setzte ich mich auf den Boden und wartete ab. Lilly hat mich gefunden.

Als ich 2025 anfing intensiv über Autismus und Co zu lernen, war es gar nicht so einfach, das Thema ohne meine Hunde zu betrachten. Nach einem Lesemarathon war ich öfters eher verwirrt und wusste nicht was vom gelesenen zu mir und was zu den Hunden gehört, da ich aber meine Lernthemen trenne und mich im Wechsel damit beschäftige, war es nicht logisch für mich, wo dieses komische Gefühl herkommt, beide Themen zusammen, sollten einen Ausgleich bilden, so wie sonst auch. Das hat aber nicht funktioniert. Ich habe ja nur über Autismus gelesen oder war ich doch ins Hundethema abgerutscht? Manchmal weiß ich nicht, was ich mache, warum ich etwas so will bzw. merke nicht, wenn ich, während dessen ich was mache, mein Vorhaben änder. Es ist oft nur ein Gefühl, dem ich folge.
Die Verwirrung wuchs, der Ausgleich blieb aus und ich stand völlig auf dem Schlauch. 
Platz für mehr Lernen war nicht da und somit tat ich mir oftmals keinen Gefallen mit dem Lesen und Lernen, aber ohne ging es auch nicht. 
Lange habe ich gedacht, dass mein Lernen kaputt wäre. Da alles zu einer großen Einheit verschmolzen war, und ich in meinem eigenen Chaos nicht weiter kam, war das Gefühl in allen Bereichen da. 
Erst als ich 2026 angefangen hatte alles zu verarbeiten, habe ich gesehen, wie viel ich 2025 geändert habe. Es war vorher einfach nicht so greifbar für mich. Schwer zu erklären, es fühlte sich halt nicht an, als hätte ich was gemacht. Durch E-Mails an Welpeninteressenten war klar, wie früh ich aber damit angefangen habe und wie rasch das alles ging. So wie immer. Wenn ich was besseres herausgefunden habe, eine Idee habe oder einen Plan, dann will ich es auch so. Ich mache es einfach. Warum soll ich darüber nachdenken? Es passiert halt einfach, logisch, oder? Ein zurück ins Alte gibt es ab dem Punkt nicht mehr. 


Lilly habe ich ja schon erwähnt, dann mache ich da weiter.

Es ist für mich immer ein Rätsel gewesen, wie Züchter ihre 4, 5 oder 6 Tage alten Welpen verkaufen können. Selbst 6 Wochen ist, in meiner Welt, extrem früh und nur durch ein Ausschlussverfahren möglich.
Das, was ich suche, ist selten so früh da. Es wächst, entwickelt sich, entsteht und all das braucht Zeit. Lisi (genetische Linie zu Lilly: Lilly-Castiel-Siraya-Lisi) war mit ihren 3,5 Wochen der jüngste Welpe, wo ich dachte “na was kommt denn da”. Eigentlich sollte Lisi nicht bleiben, da ich hoffte, ihre Schwester würde es “schaffen”. Dem war aber nicht so und so wie es ist, ist es perfekt.
Lisi´s Linie geht über Thunder weiter zu Orlando, wobei Orlando über Mutter Blue und Oma Atria auch wieder zurück zu Lilly führt. Auch Buffy stammt von  Lisi´s Linie ab.

Von Anfang an waren Welpen bei mir geblieben, bis sie 6 Monate und älter waren. Das war für mich normal und das ist es immer noch. Es muss halt für alle passen und meine Hunde haben Mitspracherecht. Wie wichtig dieses Mitspracherecht ist, wurde mir in all den Jahren immer wieder gezeigt. Ich kann den Leuten halt nur vor den Kopf schauen und in viel zu vielen Fällen werden meine Erklärungsversuche missachtet, unterschätzt, verworfen…. es wird nicht zugehört und wie wichtig für meine Hunde das “wir” ist, verstehen nicht viele. Ich muss schon eingestehen, dass es auch für mich extrem schwierig war, etwas zu erklären, was einfach da ist und wofür ich weder Wörter noch gute Beispiele habe. Ist DAS bei euch nicht einfach da? 

Auch habe ich erst jetzt verstanden, dass das Reden mir zwar Spaß macht (es ist auch sehr wichtig für mein Denken), aber es bei Interessenten zum Overload kommt. Das liegt zum einen daran, dass es viel zu viel Information ist, in rund 2 Stunden kann ich viel sagen, aber auch daran, dass vieles von dem für die Anderen neu ist. Sie müssen sich also nicht nur merken, was ich gesagt habe, sondern auch alles verarbeiten, was auf einmal anders ist als das, was sie im Internet gelesen haben, in Hundeschulen erfahren haben oder von Nachbarn kennen.
Ich sage zwar auch, dass man mich gerne unterbrechen darf und das gefragt werden soll, erst recht wenn was unklar ist und dass ich weitere Fragen sonst auch per E-Mail noch mal beantworte. Aber zu Beginn ist es irre viel für euch.
Auch für mich sind Besuche anstrengend, schön aber eben anstrengend. Ich nutze die Tage danach, um alles noch mal durchzugehen. Wer hat was gesagt? Wie war die Reaktion? Wo hat es gehakt? Wie war der Umgang mit den Hunden? Was sollte ich in einer E-Mail noch mal aufgreifen?... und so weiter. 
Jetzt weiß ich, dass das bei der Mehrheit an Interessenten nicht so der Fall ist. Nicht in dem Ausmaß, wie ich es mache. 
Es ist neu. Es ist kompliziert. Das will ich nicht.
Über die Jahre habe ich immer wieder Absagen bekommen, wo ich nicht mitgerechnet habe. Es hätte alles perfekt gepasst. Das hat mich nie gestört, weil ich ja die perfekte Familie suche und es gibt ja immer noch den privaten Teil von den Leuten, den ich nicht kenne. Eine Variable, die ich nicht mit berechnen kann. Wenn die Familie von mir keinen Welpen will, wird es dafür schon gute Gründe geben. Es muss halt für alle passen. Also alles gut. 


Dieses Jahr (2026) habe ich eine Absage bekommen und da hieß es: “..... aber ich habe das Gefühl, auf Dauer deinem Hund nicht gerecht werden zu können.” Ich weiß nicht, ob die Aussage so gemeint ist oder ob man nach einem höflichen Absagegrund gesucht hat. Normalerweise sage ich, dass ich keine Begründung brauche, sagt einfach nur ab (hilft meinem Kopf, sonst kommen zu viele Fragen) und eure privaten Gründe gehen mich nichts an.
Aber gibt es wirklich Leute, die denken, dass meine Hunde kompliziert sind oder bin ich zu kompliziert? Zur Zeit habe ich nämlich das Gefühl, dass das einzige Unkomplizierte in meinem Leben, die Hunde sind. Sie sind so einfach, frei, vorhersehbar und immer an meiner Seite. 
Meine Lockenwölfe sind alles, aber nicht kompliziert und ich hoffe sehr, dass ich mit meinem Schreiben es schaffe, weniger kompliziert für euch zu sein. (Ich weiß, ein langer Text ist nicht sehr hilfreich).
Vieles von dem, was für euch neu ist, chaotisch wirkt, stressig ist oder nicht so wie vorher, wird systematisch abgelehnt und das in allen Lebensbereichen. Ihr verweigert euch dem und werdet stur. Ich hingegen finde es - wenn es zu viel auf einmal ist, dann eher erst auf den 2. Blick - eher spaßig. Ist erst mal mein Interesse geweckt, will ich wissen, wie es geht. Ich will das Neue lernen und umsetzen. Ich will das Chaos sortieren und einen Weg dadurch finden.         

Durch eine Situation auf der Arbeit und durch die oben genannte Absage war ich nun neugierig geworden und wollte wissen, wie ich denn mit neuen Informationen umgehe. Wie leicht fällt mir das Lernen von komplett neuen Dingen, wo ich noch keine Information zu habe. Alles, was sich auf die Hunde bezieht, ist kein Lernen mehr. Ich füge nur Informationen hinzu und schaue, ob es gut oder schlecht ist. Für mich ist das kein Lernen. Es fühlt sich anders an. Auf der Arbeit musste ich dieses Jahr was Neues lernen und durch ein Gespräch bemerkte ich, dass der Punkt wo bei mir die Unruhe aufhört, dass Lernen fertig ist und nun nur Information gesammelt wird. Kein Chaos mehr. Im Kopf ist das ein super klarer Unterschied und dies ist auch der Grund, warum ich 2025 dachte, dass mein Lernen kaputt ist. Ich habe nicht gelernt, ich habe Informationen gesammelt. Einmal zum Thema Hunde und einmal zum Thema Psychologie. 
Also ein komplett neues Thema gesucht und gefunden.
Es ist genau so gewesen, wie ich es gedacht hatte. Auch für mich war das viel Neues. Recht chaotisch und vor allem zeitaufwendig, aber geschafft habe ich es trotzdem, weil ich einfach zu neugierig war, wie das denn nun funktioniert.
In wenigen Sitzungen habe ich mich mit dem Programmieren beschäftigt und das Welpentagebuch des O-Wurfes neu geschrieben. Hat funktioniert und war echt ne coole Zeit.
Wenn ich mich erstmal für ein Thema begeistern kann, ist der Rest eine angenehme Beschäftigung. Kein Stress. Wenn ich euch also nicht für mich und das Neue begeistern kann, kann ich mir gut vorstellen, wie schwer es euch fällt zu lernen, zu verstehen und vor allem zu akzeptieren. Nun bin ich zwar recht weit vom Thema abgekommen, aber vielleicht hilft es dem ein oder anderen, sich fürs Lernen zu begeistern. 


Ein paar gute Ideen, Beispiele und Erklärungen hatte ich über die Jahre gefunden, einige kennen es vielleicht noch. Jetzt weiß ich, dass der Rechenweg zwar ein anderer ist, wir aber auf denselben Nenner gekommen sind. 
Ein Grund, warum dieses Etwas wachsen muss, ist halt auch die Erfahrung, die die Welpen mit mir erst mal sammeln müssen und dann kommt noch das Rudel dazu. Oft dürfen die jüngeren Hunde noch nicht “mitmachen”. Mufasa war schon locker 9 Monate, als es bei mir klick machte und ich verstand, wie er “aufpasst”. Die kleine Lilly aus unserem O-Wurf war mal gerade 10 Wochen als es anfing und in den letzten Wochen, wo wir viele verschiedene Familien kennenlernen durften, hat sie sehr gut unter Beweis gestellt, was sie kann. Obwohl es vom Alter her so ein krasser Unterschied ist, sind beide Hunde trotzdem sehr wichtig für mich, denn auch Mufasa zeigt deutlich an und ist ein Anker für mich.
Diese Charakterentwicklung ist auch nicht in Stein gemeißelt und auch der Grund dafür, warum ich keinen Welpen für Interessenten aussuchen kann oder will, erst recht nicht, wenn es junge Welpen sind, die mit 10 Wochen ausziehen. Der kleine Charakter wird sich so schnell ändern und sich so schnell anpassen, dass es sich oft schon nach wenigen Wochen wie ein fremder Welpe für mich anhört, wenn ich Up-Dates bekomme.
Zum Glück geht es in den meisten Fällen gut und die Kleinen wachsen mit ihren Familien zusammen. Trauerbegleithunde, Support Dogs, Medical Dogs …. absolut keine seltenheit und ich freue mich für jede Familie, die es geschafft hat das kleine fünkchen “Etwas” weiter zu entwickeln. Auch als Familienhunde sind die Lockenwölfe großartig.
Aber es gibt halt immer wieder genau das Gegenteil. Die Leute sind total am Thema vorbei und kriegen es einfach nicht gebacken. Man selber sitzt am PC und liest die Up-Dates und schüttelt nur mit dem Kopf! Das ist zu viel! Macht langsamer. Wieso so! Ich habe es doch erklärt …. In ellenlangen Texten wird der Welpe/Hund gelobt, bis man aufs Aber kommt. Super, dann eben nicht.

Ich möchte wirklich niemanden auf die Füße treten und auch niemanden an den Pranger stellen aber nun wo ich alles erklären kann, wo ich weiß wie sich was aufbaut, zusammen fügt, wie der Hund von Natur aus tickt, wie ich ticke, fühlt es sich nicht mehr an wie eine Rechtfertigung. Jetzt möchte ich erklären, Wissen verbreiten und Helfen mit einem Vokabular, einer Sprache, die es, hoffentlich, für alle verständlich macht. 
Wenn ihr aber dennoch denkt, dass der Schuh passt, dann bitte, zieht ihn an. Es muss mir egal sein, denn dies ist meine Welt und hier bin ich wir und daran wird sich auch nichts ändern.

Also bitte versucht diese Seite als Aufklärungsseite zu sehen und nicht als persönlicher Angriff xx

Wenn ich das Thema Charakter noch mal anschneiden will, komme ich um Joy nicht herum. Mein kleines Hexenbiest, so habe ich sie liebevoll genannt, hat 11 Jahre auf mich aufgepasst, ohne dass ich es wusste. 
11 Jahre hat sie uns, leider recht regelmäßig, in den Wahnsinn getrieben. Was ich nicht wusste, war, dass es meine Nerven waren, die blank lagen, nicht IHRE! Ich war die ganze Zeit der Auslöser, jeder hat es mitbekommen, keiner hat es verstanden. 
Es ist schwer sich vorzustellen, wie laut und penetrant nervig so ein kleiner Hund sein kann und wie rasch sie “hoch ging wie ein HB-Männchen". Um Streit in der Familie auszuweichen, hat sie mich so in meine Pausen gezwungen. Ich habe schnell gelernt, sie zu lesen und wusste, dass zu viele stressige oder anstrengende Tage in Folge ihr nicht gut tun. Wenn ich es schaffte, habe ich daher selber für Pausen gesorgt. Wenn ich es vergessen habe oder nicht bemerkt habe, hat Joy dafür gesorgt.
Irgendwo in ihrer Welpen- oder Jungenzeit gab es ein Schlüsselmoment, wo sie ihr Verhalten das erste Mal angewandt hat und es muss auf Anhieb funktioniert haben. Prägung ist stärker als Erziehung und so wurde ihr lautes Verhalten zu meiner Amygdala.
Als ich das endlich verstanden hatte, brach für mich schon eine kleine Welt zusammen. Wie kann ich behaupten, dass wir als Familie zusammen leben und wir zusammen gehören, aber so etwas Wichtiges, richtiges und gutes übersehen. Es war für mich in all den Jahren nie greifbar. Joy war einfach mein kleines verrücktes Hexenbiest. Ein Jahr hatte ich nun Zeit, noch mehr von ihr zu lernen, sie Bewusster wahr zu nehmen und dadurch mich besser verstehen zu lernen und nun ist sie tot. Das Universum hat echt ein scheiß timing ….

Dass der 6-Wochen alte Welpenkopf genau so gut funktioniert wie der eines erwachsenen Hundes ist Fakt. Es ist nur der Körper, der noch nicht alles kann in so jungem Alter.
Auch benötigt der Hund nur eine einzige Situation zum Abspeichern. Er unterscheidet nicht von Positiv und Negativ, alles wird gespeichert.  Auch das ist Fakt.
Durch ein Kommentar im Internet den ich vor zig Jahren gelesen hatte wurde daraus meine Erklärung:
Im Umgang mit den Welpen müssen wir vom Wort Welpe wegkommen und uns einen Hund vorstellen. Die meisten Menschen, die von Welpen sprechen oder an sie denken, fallen in den Beschützermodus und vermenschlichen den Welpen zu sehr, so dass sie am Thema vorbei erziehen.
Wenn wir aber vom Hund reden, hat jeder eine klare Vorstellung, wie er sein muss.
Das Problem:
Der Hund unterscheidet nicht zwischen Welpen und Hund. Wenn der Welpe etwas durfte, will es der Hund später auch.
Also, weg mit dem Wort “Welpe”. 


Zudem muss sich die Familie im Klaren sein, wo sie ist und wo sie hin will und dieser Weg muss so reibungslos gestaltet werden, wie möglich. Der Hund sollte so wenig negatives Lernen haben wie möglich. Er sollte sich schon mit Schrecken, Angst und Zweifel auseinandersetzen dürfen, aber dann bitte mit Safe Person und Safe Space. Bevor an irgendetwas gearbeitet wird, muss also erst eine Vertrauensbasis aufgebaut werden. An wen soll sich der Hund wenden, wenn was schreckliches passiert? Wer klärt? Wer beschützt? Wer passt auf? (Das ist für ein Welpe der umzieht genauso wichtig wie es auch für einen erwachsenen Hund ist)
Das Problem:
Schon mal was von Bottom-Up Thinking gehört? Nein! Ich auch nicht bis vor kurzem. 
Googled das mal. Ich wusste überhaupt nicht, dass es zwei Arten des Denkens gibt, aber hier scheint ein großer Unterschied zu sein. Mein: “Das müssen die doch sehen” greift hier oft nicht.
Ein weiteres Problem ist, dass Vertrauen nicht mit Leckerlies erkauft werden kann. Vertrauen könnt ihr euch durch Aufpassen erarbeiten und Aufpassen hat nichts mit Macht oder Dominanz zu tun. 
Erst vor kurzem wurde mir klar, dass dieser Versuch zu erklären wohl falsch aufgefasst wird. Eine Person war hier zum kennenlernen und wir kamen auf Wildi zu sprechen. Ich erklärte der Person, dass er ein super guter Hund ist und sich prächtig macht. Er ist im Ausflugsrudel der Aufpasser und der Rest der Truppe orientiert sich gerne an ihm und das dies super gut sei, da er sich wiederum stark an mich orientiert bzw. er in seinem Freiraum sehr respektvoll ist. 

Die Person hörte geduldig zu und meinte dann, dass er gar nicht so dominant wirkt.
Voll krass! Wildi ist nicht dominant. Er ist der Aufpasser. Er kann und darf nicht dominant sein, wenn er diese Rolle zugesprochen bekommt. Shit, das habe ich so nicht kommen gesehen. Wenn das die Auffassung der Anderen ist, so sind meine “Aufpasserhunde” eher schlecht, negativ? Echt jetzt. Das sind die coolsten und wichtigsten Hunde im Rudel, erst recht, wenn sie so eng mit mir zusammen sind. Wildi sieht das, was ich übersehen habe, gibt Rückmeldung an mich und ich kann klären. 
Sobald man also zu zweit ist, muss einer aufpassen. Idealerweise der Mensch. Tut es der Hund, geht es nur, wenn er freiwillig Rückmeldung an den Menschen gibt und abwartet und dies geht nur, wenn der Mensch eine schnelle Reaktion hat. Scheiße wird es erst, wenn der Hund aufpast UND klären muss, weil der Mensch beides nicht kann.
Ihr müsst genügend Vertrauen aufbauen, so dass der Hund nicht regeln will, weil ihr es besser könnt. Die Aufpasserrolle nimmt man sich nicht, die wird einem Zugesprochen; keiner will diesen Posten aber einer muss es halt machen. Wer aufpassen muss, hat quasi die Arschkarte gezogen.
Ihr müsst also in schreckhaften, unvorhersehbaren, gruseligen Situationen blitzschnell, sicher und zuverlässig reagieren können, um klare Ansagen machen zu können. 
Da sind diejenigen klar im Vorteil, die ihre Umwelt fast komplett ausblenden können. Mir doch egal, was die Anderen denken, wir warten jetzt, bis wieder Ruhe herrscht. 
“Wie kannst du nur so ruhig bleiben” ist auch eine Aussage die ich öfters bei Gassiverabredungen höre. Tja, ich hab halt die Arschkarte und muss aufpassen. Ich muss den Überblick behalten und Ruhe bewahren; auch im Chaos. Diesen Punkt finde ich echt mega witzig. Die ganzen Flight-Situationen sind echt scheiße, wenn es aber in eine Fight-Situation endet ist es echt krass was ich mir da über die Jahre so geleistet habe. Was ich gemacht habe! Zum Glück passiert das nur, wenn ich für meine Hunde einstehen muss und ganz extrem, wenn die Fakten verdreht werden. Alle Anderen bekommen den Teil nicht zu sehen. Bin eigentlich nicht so bissig. 
Also, Aufpassen ist mega wichtig.

Das Abspeichern von Erinnerungen, egal ob positiv oder negativ, findet immer statt. Zumindest beim Hund. Beim Menschen bin ich mir da nicht immer so sicher. 
Es ist viel schwieriger, etwas zu korrigieren, als es von Anfang an richtig zu machen. Für die Korrektur braucht man viel Zeit und viel Geduld.
Bei mir gab es dazu immer diese Erklärung (auch im Netz gefunden und für gut befunden):
Im Kopf des Hundes ist eine weiße Tafel. Solange sie weiß ist, ist alles gut. Das Weiß steht für Sicherheit. Wenn der Hund nun ein Fehlverhalten erlernt, steht dies mit schwarzer Farbe auf der Tafel. Ihr werdet nun mit vielen Wiederholungen dieses falsche Verhalten übermalen müssen, bis alles wieder weiß ist. 
Jetzt weiß ich, dass der Rechenweg zwar anders ist, aber das Ergebnis doch sehr stimmig. So ist es richtig:
Der Hund sammelt seine Erfahrungen wie kleine Skripte, Videos, die mit Gefühlen voll gepackt sind. Alles, was er tut, hat den großen Sinn der Sicherheit. Er will immer wieder zur inneren Ruhe kehren. Dazu kann er in fast jeder Situation auf diese kleinen Videos zugreifen und pickt sich die Beste raus, die rasch wieder zur Ruhe führt. Auch die Jagd wird durch solche Videos im Kopf gelenkt und es endet immer in Ruhe. Es gibt Futter, alle sind beisammen, es ist geschafft.
Wir Menschen müssen nun also nur dafür sorgen, dass der Hund Skripte im Kopf hat, mit dem passenden Weg, der passenden Lösung, so dass der Hund zur Ruhe kommen kann. Selbst wenn der Hund Fehlverhalten hat, wird man bei genauer Betrachtung sehen, dass sie alle in Ruhe enden. 

Wenn der Hund nun ein solches negative Video im Kopf hat, bleibt es auch. Jedes.Einzelne.Davon! Wir können nichts löschen. Zum Glück auch nicht die Guten.
Was wir aber sehr wohl tun können ist, in kleinen Schritten, diese schreckliche Situation zu erzwingen und dann neue Videos schaffen mit einem besseren Lösungsweg.
Hat der Hund genügend gute Skripte, wird er sich auch wieder “richtig” entscheiden.
Diese Art des Denkens ist auch der Grund, warum Hunde immer wieder alte Gewohnheiten aufleben lassen. Warum es so schwer fällt es abzutrainieren. Warum er das jetzt wieder macht, obwohl es doch so lange so gut läuft. Tja, es ist halt nie weg gewesen, nur unter Kontrolle und eure neuen Videos waren bzw. sind nicht gut genug, um zu tragen. Eine positive Erinnerung, die etwas Negatives überwiegen soll, muss extrem stark sein, um zu tragen. Bei Menschen kann man diese Stärke der Gefühle aufbauen, beim Hund nicht und daher braucht man einfach mehr Wiederholungen, um sich sicher zu sein, dass es so auch geht. Mit jeder Wiederholung, die der Hund durchläuft, wird das neu gewonnene Video etwas kürzer, bevor Ruhe einkehrt. Selbst wenn das 5. neue Video dann doch mal länger wird, weil die Situation sich zugespitzt hat, sind da ja immer noch die 4 kürzeren Videos und die nächsten werden ja auch wieder kürzer. Irgendwann ist das perfekte Video entstanden: kurz, sicher und in Ruhe endend. Dies wird dann die beste Lösung für die Situation sein und dafür wird sich der Hund entscheiden. 
Auch hier sind die Leckerlies nur bedingt nützlich, da sie den Blickwinkel des Hundes zu weit vom eigentlichen Thema ablenken. Es gibt viel zu viele Hundebesitzer und Hundetrainer, die eine Trainingsmethode nach der anderen abarbeiten, weil nichts greift. Wie denn auch? Ist die Trainingsmethode negativ behaftet, wird der Hund wieder auf sein eigenes, negatives Skript greifen. In dem Falle ist das nämlich das Einfachste und es wird 
immer nach der einfachsten Lösung gesucht, die wieder zur inneren Ruhe führt. Prägung ist stärker als Erziehung
Ich verrate viel zu viel über mich.
Auch ich habe den Kopf voll mit Erinnerungen und Gefühlen. Wenn es sich nicht gut anfühlt, mache ich es nicht oder ich will es halt nicht. 
Wenn es positiv ist, ist alles gut, ich weiß es ja. Ich weiß öfters nicht, was gut wird, aber das wird schon. 
“Warte, das wird gut …” und dann lasse ich den Gedanken, mein Skript, durchlaufen, um zu erfahren, was denn gut wird bzw. was ich machen muss, damit es gut wird.
Ist das Gefühl negativ, lehne ich sofort ab und will es gar nicht wissen. 
Dass der Welpe vorsichtig mit Erfahrungen gefüttert werden muss und dass er dafür Safe Space benötigt, um sich sicher zu fühlen, war schon immer logisch für mich. Zeit und Raum brauchen wir beide. Zeit zum Verarbeiten und Raum, damit das Gruselige auf Abstand bleibt. Welpenaufzucht ist kein Sprint! Nimmt euch die Zeit, den kleinen 4-Beiner groß zu ziehen. Die meiste Zeit seines Lebens wird der 4-Beiner ein erwachsener Hund sein und der muss gut sein. Ein Streber in der Welpenschule geht oft nach hinten los, da nicht genug für das spätere Leben aufgebaut wurde. Macht langsam. Sammelt Puzzleteile.

Oben habe ich geschrieben: Dazu kann er in fast jeder Situation auf diese kleinen Videos zugreifen und pickt sich die Beste raus, die rasch wieder zur Ruhe führt.
Dazu möchte ich noch was ergänzen.
Wenn der Hund in Panik gerät, macht sein Kopf dicht und da kommt ihr nicht mehr ran. Dann kann auch er nicht auf die Videos im Kopf zugreifen. Es ist alles gesperrt und steht nicht zur Verfügung. 
In richtiger Panik ist es daher nötig, Ruhe zu bewahren (hört auf zu labern, der Hund hört euch eh nicht). Sichert den Hund und vor allem euch, er könnte um sich beißen. Lauft nicht hinterher und drängt ihn nicht, das treibt ihn nur noch weiter in die Flucht. Wenn er weg läuft, versucht ihn mit Abstand im Blick zu behalten. Und dann heißt es Warten. Fangt erst wieder an zu reden, wenn der Hund wieder am denken ist. Eure Stimme wird ihm helfen, ins Hier und Jetzt zu finden. Bei Hunden ist hier Selbstbeherrschung wichtig. Achtet darauf, dass ihr eine gute und neutrale Stimme habt und redet einfach vor euch hin. Ihr könnt auch anfangen Signale/Vokabel zu nutzen, die ihn sonst auffordern, zu euch zu kommen oder mit euch zu gehen. Den Wechsel von Offline zu Online werdet ihr dann schon bemerken. Das Gleiche gilt für draußen. Wenn ihr in seine Nähe kommt, setzt euch hin und redet einfach vor euch her. 

Da es leider schon drei mal vorkam, dass Hunde nach dem Umzug ins neue Heim, in einer Panikattacke entlaufen sind (einmal beim Gassi gehen und 2 mal aus dem Garten) liegt mir dies besonders am Herzen.
Es ist zum Glück immer gut gegangen und alle drei Hunde haben sich, als der Kopf wieder funktionierte, dem Menschen wieder angeschlossen. Ein Hund fand den Weg wieder zurück zum neuen Heim und die zwei anderen Hunde haben einfach ein fremdes Haus aufgesucht. Mensch = Sicherheit und Ruhe. Prägung ist stärker als Erziehung. Meine Hunde wissen, dass wir Menschen gut sind und dass wir aufpassen. 
Was ich in einer Situation irritierend fand, war, dass ich nach einer Tonaufnahme der Mutter gefragt wurde. Es wurde eine Hundestaffel angefordert und dort hat man wohl nach der Tonaufnahme gefragt.
Eine solche Aufnahme hatte ich nicht und zum Glück war der Spuk dann doch wieder vorbei.
 Vielleicht lag hier nur ein Missverständnis vor, aber wenn nicht, bin ich mir sehr sicher, dass die Tonaufnahme der Mutterhündin nicht geholfen hätte. Was sehr wohl geholfen hätte, wäre eine Aufnahme vom spielenden Rudel.
Ihr wollt in solch einer Situation was Gutes, was Positives, etwas was einlädt zum kommen. Spielen geht doch eigentlich immer. Eine Aufnahme abzuspielen, wo der Hund seine Mutter hört, die warnt (warum sollte sie sonst als erwachsener Hund laut geben) wäre nicht meine erste Wahl.

Also bis hierhin können wir zusammen fassen:
 - Der Hund handelt getrieben von Gefühlen.
 - Kleine Skripte/Videos lenken ihn und führen immer zur Ruhe.
 - Innere Ruhe und Sicherheit ist ihm sehr wichtig.
 - Er vergisst nicht.
 - Prägung ist stärker als Erziehung.
 - Leckerlies ändern den Blickwinkel und lenken ab.
 - Das Vertrauen ist nicht käuflich.
 - Einer muss aufpassen.
 - Aufpassen hat nichts mit Dominanz zu tun.
 - Der Hund braucht Zeit und Raum.


 Was ist noch total gruselig und etwas, was für mich so nicht in Frage kommt? Hier sind wir rasch beim Thema Sozialisierung.
Die meisten Leute haben im Kopf, dass ein gut sozialisierter Hund auch gleichzeitig Hundeverträglich ist und immer und überall angefasst und gestreichelt werden will.
Das ist ein großer Irrtum!
Ein gut sozialisierter Hund ist ein Hund, der in unserem sozialen Umfeld ein treuer Begleiter für seinen Menschen ist!
Wenn Mensch+Hund sicher und ruhig die Welt erobern können, ist das alles was nötig ist. Kein fremder Mensch und kein fremder Hund hat was in dieser Safety Zone zu suchen! 
Ein gut sozialisierter Hund akzeptiert es, dass es auch noch andere Meschen gibt. Dass es auch noch andere Hunde gibt. Dass es mal laut und mal trubelig wird. Dass es eng wird, dass man mal stehen bleiben muss, Autos, Fahrräder, Jogger dicht vorbei flitzen. All das kennt und akzeptiert der Hund, weil sein Mensch aufpasst. 
Ich bin viel unterwegs und schaue mich auch gerne mal um und ich muss sagen, dass ich noch nie beobachten konnte, dass Menschen, die zu einander fremd sind, sich bei jeder Begegnung begrüßen, sich die Hand geben, miteinander reden oder in irgend einen anderen beiläufigen Kontakt kommen. Alle erledigen einfach ihren Einkauf, gehen durch die Stadt, gehen spazieren, aber eben glücklich und zufrieden in ihrer eigenen kleinen Welt. Wenn es doch mal zu sozialen Kontakten kommt, geschieht dies fast immer auf einer freundlichen und respektvollen Ebene. Der Privat Space wird berücksichtigt und der Situation angepasst. Passiert eigentlich automatisch.
Wieso wird dieser respektvolle Umgang vergessen, wenn ein Hund mit im Spiel ist?
Auch der Hund und sein Mensch sind in ihrer eigenen Welt und wenn ihr da rein wollt, hat dies über den Menschen zu geschehen und nicht über den Hund! Ein “Hallo. Darf ich den Hund streicheln?” sollte wohl jeder über die Lippen bekommen. Seid mutig! Redet!
Und zudem gibt es immer mal wieder Herrchens und Frauchens, die vielleicht gar keinen Kontakt wollen. 
Hund ist lieb und brav, aber ihr dürft gerne weg bleiben. Kein Hundebesitzer muss euch dulden. Also aus Sicht der Menschen macht dieses unhöfliche Verhalten keinen Sinn. Ihr könnt es doch sonst auch.
Und nun das ganze aus der Sicht der Hunde und hier zeigt sich dann auch warum richtiges soziales Verhalten nicht das ist was die Mehrheit glaubt.
Auch Hunde haben von Natur aus einen höflichen Umgangston und der nennt sich Ignoranz. Hunde ignorieren einander oder auch andere Menschen, um zu zeigen, dass sie freundlich sind und dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Sie wollen keinen Stress. Wenn da also etwas ist, was von Anfang an da ist, warum soll ich es kaputt machen, nur weil wir ein solches Verhalten als unhöflich ansehen? Ein großes Problem entsteht, wenn Einzelhunde die Hundesprache verlernen und dann auf Hunde treffen, die diese aber noch perfekt beherrschen. Die Hunde reden quasi aneinander vorbei. Ärger ist dann rasch vorprogrammiert.

Und auch im dritten Beispiel ist es wichtig, dass jedem seinen Privat Space zugesprochen wird. Der Hund könnte im Training sein. Der Hund könnte krank sein. Der Hund könnte einen schlechten Tag haben (ja, gibt es bei Hunden auch, mehr dazu später). Es könnte auch einfach sein, dass der Hund gut sozialisiert ist und ein perfektes Team mit seinem Menschen bildet, aber er andere halt wirklich nicht mag; auch das gibt es.
Es passiert zum Glück nicht oft, dass meine Rasselbande einfach angegrabscht wird, ohne vorher mit mir zu reden. Ich denke, dass die Anzahl der Hunde hier sehr hilfreich ist, aber so ein paar Geschichten haben sich über die Jahre schon angesammelt, wo ich einfach nur sprachlos bin über so viel Dummheit!
Ganz aktuell bei einem Gassiausflug in die Stadt mit dem O-Wurf.
Nach unserer Runde haben wir uns in den Schatten gesetzt. Ich konnte lesen und die Racker sollten zur Ruhe kommen und/oder beobachten. Da es zu vielen Kontakten kam - Menschen und Hunde - war nicht so viel Ruhe zu bekommen, aber auch an sowas müssen sich die Hunde gewöhnen. Es ist halt nicht immer gleich ruhig in der Stadt.
Dann kam ein kleines Kind auf uns zu gerannt und blieb so dicht vor uns stehen, dass ich die Leinen kürzer nehmen musste. Eine Person war bei dem Kind und versuchte, das Kind von uns wegzuholen. Eigentlich hätte ich gerne versucht, einen Kontakt aufzubauen. Das Kind hätte sich sicher gefreut und die Hundies sind lieb. Das Problem war aber, dass das Kind wie irre geknurrt hat. So ganz toll fanden die Lockenwölfe das dann doch nicht, als das Kind nicht aufhörte zu knurren, sondern sich da eher reinsteigerte. Von einer weiteren !erwachsenen Person! die mit Abstand zu uns stand, habe ich dann die Info bekommen, dass das Kind versucht mit den Hunden in deren Sprache zu kommunizieren. Das hat ein Erwachsener gesagt. Ein Adult!!! Meine Antwort war mega kurz: Ja, aber nicht anfassen. Mehr ging nicht und ich hatte dann auch schlagartig kein Interesse mehr an diesem Chaos. 

Wieso müssen wir immer für die Dummheit der anderen aufkommen? Gibt es keinen Elternführerschein? Asking for a friend.
Also:
Ein gut sozialisierter Hund ist unterm Strich ein treuer Begleiter, der mit sich und der Welt im Reinen ist. Wie viel der Hund aushält oder möchte weiß nur der Mensch und daher geht jeder Kontakt über den Menschen und dann schaut man, was man darf und was nicht.
Ein gut sozialisierter Hund ist kein Spielpartner für fremde Hunde. Auch hier geht jeder Kontakt erst über den Menschen.
Wenn ihr der Besitzer eines Einzelhundes seid, sucht ihr halt  lokale Gassiefreunde oder besucht in der Hundeschule die “Spielstunde” aber in allen anderen Bereichen hat euer Hund nichts im Safe Space eines anderen Hundes was zu suchen. 


Wie passt das alles nun zu mir und uns? 
Okay, nicht gerade freundlich, aber es bringt es auf den Punkt.
Dieses ignorante Verhalten, was wir nun ja von den Hunde kennen, habe ich auch.
Die Gründe sind andere, aber mein Verhalten ist das Gleiche und die Hunde unterscheiden da halt nicht.
Es ist also ganz normal für meine Lockewölfe meinem Beispiel zu folgen, denn ich passe auf und gebe den Takt an.
Wenn wir also an einem Tag unterwegs sind, wo ich nicht so “sozial verträglich” bin, ignoriere ich fast alles. Ich will zwar raus und ich bin auch dann gerne unterwegs, aber ihr stört. Bin ich an solchen Tagen in Begleitung, weiß ich erst durch meine Begleitung, dass da jemand mich wegen der Hunde angesprochen hat, daher weiß ich auch, wie gut das Ignorieren funktioniert, sorry.
Für meine Hunde ist das ein sehr guter und perfekter Zustand, denn ich bin, aus ihrer Sicht, sehr höflich und da ich den totalen Überblick habe, kenne ich den besten Weg auch durch Menschenmengen. Sie können mir Gefahrlos folgen. Mit klaren und direkten Ansagen lassen sie sich super lenken und so entsteht sehr viel Vertrauen und Sicherheit. 
Meine Hunde und auch unser derzeitiger O-Wurf sind es gewohnt, sich abgeleint oder im Schlepp frei durch Menschenmengen zu bewegen. Sie laufen dicht an Menschen vorbei und folgen mir. Alles ganz normal. Zur Not finden sie ihren eigenen Weg durch die Menge und schließen dann wieder auf. Selbst wenn da mal jemand den Hund über den Rücken streichelt, ist das absolut okay. Bis auf, dass ich es noch mehr scheiße finde als sonst, passiert da nichts.               Meine 4-Beiner kennen aber auch das extreme Gegenteil von mir! Jede Gelegenheit zum Reden wird genutzt. Hier müssen sich die Hunde in Geduld üben. Jetzt quatscht der 2-Beiner schon wieder. Manche Lockenwölfe ignorieren uns Menschen dann und gehen schnüffeln, manche legen sich ruhend hin (Das ist kein "Platz", was meine Hunde machen, das ist eine Ruhehaltung, die eingenommen wird! Freiwillig ohne Kommando) und andere lassen sich gerne streicheln oder belagern den oder die anderen Menschen. Wer kommt, darf gestreichelt werden. Der Hund sagt, was geht. 
Die meiste Zeit ist aber alles gut in Balance und wir befinden uns irgendwo dazwischen.
Aber aus diesen wechselnden Ereignissen, wir erinnern uns an die Videos im Hundekopf, wegen der klaren Ansagen, wegen des Aufpassen und wegen meiner inneren Ruhe bzw. Anspannung bekommen wir einen sehr gut sozialisierten Hund.  
Zieht nun einer meiner Hunde aus und der neue Besitzer “passt nicht so auf wie ich”, kann es schnell für den Hund gruselig werden. Was soll er machen, wenn keiner weiß wie es weitergeht? 
Ich kenne es gar nicht anders, als dass die Leute über mich und meine Hunde staunen. Blöde Sprüche bekomme ich auch zu hören, aber das ist halt deren Meinung.
Es vergeht eigentlich kein Ausflug mit dem Kommentar "You've got your hands full” oder “Das ist aber viel Arbeit".
Ob ich mit 2 gassie gehe oder mit 10 ist, bis auf den Platz den wir benötigen, egal. Die Anzahl ändert sich, aber wir sind ja immer noch wir und da ändert sich nichts.
Was soll da also schwerer sein?                                                                                                                                                                                                                    
Das Entwirren der Leinen ist zeitaufwendiger, aber das ist nur bei Welpen und Junghunden so, das hört auf und bei den Jüngeren habe ich das Glück, dass sie sehr viel im Schlepp laufen können, so habe ich keine Arbeit mit den Leinen.
Bei unserem O-Wurf ist Buffy die Einzige, die zur Zeit mehr Arbeit macht. Unser kleiner Wirbelwind und Sonnenschein hat zur Zeit eine Phase, wo ich ihr bei jedem Kind sagen muss, dass sie da nicht hin darf. Auch will sie in jeden Baggy rein schauen. Sie ist mega lieb und auch wenn sie zu nah an die Menschen geht - wir müssen auch deren Privat Space respektieren - sehr gut ansprechbar und ich kann sie lenken. Wir sammeln also fleißig weitere “weiter” Videos. Aber mit mal gerade 5 Monate ist das alles im normalen Bereich.


Mir persönlich gefallen Rüden besser als Hündinnen und ich denke, dass das am natürlichen Charakter der Rüden liegt. Hündinnen haben die Hose an und Rüden fragen, wie hoch sie springen sollen. Die Rüden sind alles, aber keine hormongesteuerten Machos!
Und sie haben eine sehr wichtige Rolle in der Welpenerziehung. 
Es gibt so viele Leute, die sich Züchter nennen, aber sie schaffen es nicht, ein Rudel zu führen? Was läuft da falsch? Die Prägung und Erziehung durch die Rüden im Rudel ist für die Welpen sehr wichtig und sollte nicht unterschätzt werden. Von der Nestpflege bis zur Abgabe haben meine Jungs eine wichtige Aufgabe hier bei uns und das machen sie alle sehr gut.
Warum andere Züchter das nicht machen oder das nicht wollen, ist nur schwer zu verstehen, denn eigentlich wollen sie doch das Beste für ihre Welpen und das Rudel. 
Oft wird als Grund angegeben, dass die Rüden leiden, wenn die Hündinnen läufig sind. Naja, leiden tun meine Rüden hier nicht. Schwer verliebt sind sie für 5 Tage aber trotzdem. Es sind 5 Tage, nicht 3 Wochen! Und das war schon immer so. Der Unterschied liegt in der Haltung! Die Hunde wissen von der bevorstehenden Läufigkeit, bevor ich es weiß. Trennen, damit der Rüde nicht viel mitbekommt, ist also echt mies.
Man trennt das Rudel nicht, man lässt es so normal wie möglich zusammen und man trennt auf keinen Fall die Rüden vom Rudel. Was man schon machen muss, ist die Hündin sichern. 
Die Rüden müssen auch während der Läufigkeit wissen, dass alles gut ist, dass die Hündin noch da ist, dass wir zusammen sind. Dann klappt das auch in der Gruppe und vor allem gibt es keinen Stress.
Wo ist der Unterschied?
Das Chaos:                                                                                                                                                                                                                                                   
Schon bei einer Gassigruppe von 5 Hunden sind die meisten Leute überfordert mit der Anzahl an Hunden, die sie sehen. Sie sind oft irritiert, wie das so funktioniert. Jetzt könnt ihr euch vorstellen, wie viele Besucher reagieren, wenn sie hierher kommen und vom Rudel begrüßt werden (meine Hunde haben so gut wie keine Berührungsängste). Es wird sogar noch besser, wenn Besucher sich vorher nicht durch meine Webseite informieren. 
Ich frage daher des Öfteren aus Neugier nach, ob sie denn nicht auf meiner Webseite waren. Einmal bekam ich die Antwort: “Ja, doch, aber ich dachte nicht, dass die alle bei Ihnen wohnen”. 
Wo soll meine Familie denn sonst sein?
Im ersten Augenblick weiß ich, wer sich informiert hat und wer nur Welpen gucken will.
Ihr seht hier das perfekte Chaos. Ich sehe meine Familie. 
Selbst wenn wir Zeit im Garten verbringen und sich mehrere Spielgruppen bilden, habe ich den Überblick. Wenn sie draußen abgeleint sind, kann ich sie sicher lenken. Ich breche frühzeitig den Hund ab und weiß oft, was sie vorhaben. Die wenige Male wo ich Kleinigkeiten übersehe passieren Einzelhundebesitzer auch; da mach ich mir kein Kopf drum. Wenn man sich die Zeit nimmt, das Rudel kennenzulernen, verschwindet das Chaos eigentlich rasch und wenns bei den Namen kompliziert wird, helfe ich gerne aus.

Und schon sind wir beim nächsten Punkt.
Dieses innige Zusammensein, zusammenleben, bleibt im Hundekopf verankert und das wollen alle meine Lockenwölfe nach dem Auszug auch. 
Hunde sind von Natur aus Familientiere. Wir reden vom Rudel, aber eigentlich ist es eine Familie. 
Zuhause sind die Hunde immer bei mir und ich verlasse das Haus nur ohne Hunde, wenn ich weiß, dass die Hunde, dort wo ich hin will, nicht erlaubt sind. Sonst bin ich immer in 4-beiniger Begleitung. 
                                                                                                                                                                              Hinzu kommt, dass ich ablehne, wenn bei mir die Stimmung kippt. Menschen gegenüber ist das noch okay. Man sagt dann gerne: “Ja, alles gut. Hab schlecht geschlafen. Hab viel zu tun”  oder man geht den Leuten einfach aus dem Weg, wo es halt möglich ist. Hat man es dann erst mal bis zur Bettzeit geschafft, ist ja am nächsten Tag oft alles wieder gut. Man hat halt eben einen schlechten Tag.
Bei den Hunden ist das nicht so einfach mit dem “schön reden”. Sie riechen und spüren den Unterschied. Ablehnen ist da nicht möglich. Wir erinnern uns an Joy.
Gruppenkuscheln auf dem Boden, bis meine Welt wieder in Ordnung ist. Auch wenn ich es manchmal nicht kann und mich durch den Tag kämpfe oder mich dann doch dazu zwingen muss, für mich und mein Rudel ist es der perfekte Weg, daher gehen meine Hunde sowohl ins Gesicht als auch den Händen nach. Wegschubsen bringt nichts. Je mehr ich ablehne, desto inniger werden sie und genau dieser Punkt wird so sehr unterschätzt. Ich habe diese Art der Prägung auch Jahre lang unterschätzt, habe aber immer darauf hingewiesen, dass es hier nur Hackenläufer gibt. Das sie auch ins Gesicht gehen und bitte nicht die Hände hochreißen. All das muss, wenn nicht erwünscht, abtrainiert werden. Aber im Idealfall nimmt man es einfach so hin und freut sich über den Familienzuwachs. Kinder hängen einem doch auch ständig am Rockzipfel. Und auch ich habe immer mal meinen eigenen Privat Space und muss mal um die Ecke gucken, was die Rasselbande so treibt, erst recht wenn es zu leise wird. Es geht nämlich auch in die andere Richtung. Je freier sich die Hunde bewegen, desto stabiler bin ich. 
Hier passt jeder auf jeden auf, eben Familie.

Was noch? Was ist noch wichtig und typisch wir?

Man hat halt einen schlechten Tag.
Jeder Mensch hat mal einen schlechten Tag. Wer nie einen schlechten Tag hat, weiß auch nicht, was ein sehr guter Tag ist.
Ich bin mir sehr sicher, dass auch meine Lockenwölfe mal einen schlechten Tag haben und dass dies nicht durch mich verursacht wird.
Auch sie benötigen viel Ruhe, viel Schlaf, viel Zeit zum Verarbeiten. Wenn das nun fehlt, kann es doch nicht gut gehen.
Auch verarbeiten Hunde Zeitversetzt. Heute ist es stressig (auch positiver Stress muss abgebaut werden!) und/oder gruselig und in ein paar Tagen oder auch nächste Woche macht der Hund dicht, weil er verarbeitet. Problematisch wird es erst, wenn der Mensch immer nur will, und zwar jetzt, sofort, weil es so im Kalender steht, weil ich jetzt was machen will. 
Irgendwann ist auch das für den Hund zu viel und der ach so tolle Familienhund kommt entweder auf dumme Gedanken oder rastet aus. Powertage sind toll und machen Spaß, Ruhetage sind aber auch toll und viel wichtiger. Dort sollte der Schwerpunkt liegen.
Auch hier sind meine Hunde und ich auf einer Wellenlänge. Glück gehabt. Also bitte nicht wundern, wenn meine Lockenwölfe überfordert sind, wenn ihr sie aufpusht. Daran müssen sie sich erst gewöhnen.
Wir sind sicherlich keine Couchpotatoes, aber wir haben auch keinen Kalender im Kopf. 

 

 

 

Ich und Zucht

(Text kommt noch)

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